700-Meter-Güterzug zeigt: Warum die **Deutsche Bahn** technisch hinterherhinkt
Martina Siering700-Meter-Güterzug zeigt: Warum die **Deutsche Bahn** technisch hinterherhinkt
Ein Güterzug von fast 700 Metern Länge mit 50 Containern ist kürzlich von den Niederlanden nach Deutschland gefahren. Die Fahrt verdeutlichte den eklatanten Unterschied zwischen zwei Bahnsystemen – einem vollständig digitalisierten und einem, das noch auf veraltete Signale setzt. Am Steuer saß Hans Blom, ein Lokomotivführer mit fast 40 Jahren Erfahrung.
Bloms Route begann im Rangierbahnhof Kijfhoek in den Niederlanden. Die niederländische Strecke führt durch die Betuwe-Region, einen Hochtechnologie-Korridor, der speziell für den Güterverkehr gebaut wurde. Auf diesem Abschnitt gibt es keine Bahnhöfe oder Bahnübergänge, was einen reibungslosen, unterbrechungsfreien Transport ermöglicht. Zudem wird hier das European Train Control System (ETCS) eingesetzt, die neueste digitale Signaltechnik.
Nach der Grenzüberquerung fuhr der Zug in das deutsche Schienennetz ein – ein System, das noch stark von herkömmlichen Signalen abhängt. Stand Ende 2025 waren nur 1,6 Prozent der deutschen Gleise mit ETCS ausgestattet, wobei lediglich 500 Kilometer vollständig ausgerüstet sind. Die zögerliche Einführung ist auf fehlende Bordelektronik in den Zügen, stückweise Infrastrukturmodernisierungen und jahrelange Unterfinanzierung zurückzuführen. Die Deutsche Bahn hat ihre Digitalisierungspläne sogar zurückgeschraubt, da viele bestehende Strecken in schlechtem Zustand sind.
Deutschland strebt eine vollständige ETCS-Einführung bis 2040 an, doch ob dieses Ziel erreicht wird, bleibt ungewiss. Sowohl die Deutsche Bahn als auch das Bundesverkehrsministerium räumen ein, dass mehr Mittel und eine effizientere Verwendung der Gelder nötig sind. Sobald das System voll funktionsfähig ist, soll es den Bahnverkehr standardisieren, Automatisierung ermöglichen und die Rolle des Triebfahrzeugführers auf eine überwachende Funktion reduzieren.
Die Fahrt von Kijfhoek nach Duisburg unterstreicht die Kluft zwischen der fortschrittlichen Bahntechnologie der Niederlande und der rückständigen Infrastruktur der Deutschen Bahn.