23 January 2026, 18:39

75 Jahre Parkaue: Wie DT64 im Theater wieder On Air geht

Ein gerahmtes Plakat zum 70-jährigen Jubiläum des Kaiser-Huldigungsfestes in Berlin, Deutschland, mit einer Gruppe von Menschen in der Mitte und umgeben von Text und Zahlen.

75 Jahre Parkaue: Wie DT64 im Theater wieder On Air geht

Das Theater an der Parkaue feiert sein 75-jähriges Jubiläum mit einer mutigen Neuproduktion.On Air On Fire, ein dokufiktionales Stück der Autorin Marion Brasch, blickt zurück auf die turbulenten letzten Jahre von DT64, dem legendären Jugendradio der DDR. Die Inszenierung verbindet reale Ereignisse mit Fiktion und taucht das Publikum ein in die chaotische Energie der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre.

Das Stück spielt in einem kartongetreuen Nachbau des DT64-Radiostudios, angefüllt mit Originalrequisiten aus den 1980ern. Ein mausgraues DDR-Telefon gehört zu den Bühnenutensilien und verankert die Handlung fest in ihrer Zeit. Brasch, die von 1987 bis 1992 als Musikredakteurin und Moderatorin bei DT64 arbeitete, greift auf eigene Erlebnisse zurück – darunter die Nacht, in der Rio Reisers Lied Der Traum ist aus mitten im Konzert abrupt zensiert wurde.

On Air On Fire lässt auch den Widerstand im DT64-Newsroom wiederaufleben. Eine Szene zeigt eine Nachrichtensprecherin, die sich weigerte, den staatlich genehmigten Bericht über die Niederschlagung der Proteste am Platz des Himmlischen Friedens zu verlesen. Eine andere fängt die öffentliche Empörung ein, als die Behörden die Abschaltung des Senders ankündigten. Hörerinnen und Hörer überfluteten die Telefonleitungen mit Protestanrufen – ein Moment, den Brasch als Wendepunkt in der Geschichte des Senders bezeichnet. DT64 war 1964 als jugendorientierter Kanal von Radio DDR gestartet und wurde in den letzten Jahrzehnten der DDR zu einer kulturellen Lebensader. Das Theater selbst, ursprünglich als Theater der Freundschaft bekannt, öffnete am 16. November 1950 in Ost-Berlin seine Pforten. Nun verknüpft Braschs Inszenierung diese Geschichten und ist noch bis zum 27. März 2026 zu sehen.

Das Stück ist zugleich Hommage und Zeitkapsel. Durch die Verwebung von Archivmaterial, persönlichen Zeugnissen und Live-Performance bewahrt es den rebellischen Geist von DT64. Das Publikum verlässt den Saal mit einem eindringlichen Gefühl dafür, wie das Radio – einst ein Instrument der Kontrolle – für kurze Zeit vor dem Mauerfall zur Plattform des Widerstands wurde.