15 January 2026, 18:50

97-Millionen-Projekt in NRW: Streit um Förderschule statt Inklusion

Ein aufgeschlagenes Buch mit einer detaillierten Karte von Westphalien darauf, das auf einer schwarzen Oberfläche liegt.

97-Millionen-Projekt in NRW: Streit um Förderschule statt Inklusion

Eine Gruppe von Behindertenrechtsorganisationen, Elternverbänden und Wohlfahrtsgruppen stellt die Pläne für eine neue Förderschule in Neunkirchen-Seelscheid, Nordrhein-Westfalen, infrage. Das Bündnis 'Bündnis Deutschland' wirft dem 97-Millionen-Euro-Projekt vor, gegen gesetzliche Vorgaben zur inklusiven Bildung zu verstoßen, und hat bei den zuständigen Aufsichtsbehörden offiziell Beschwerde eingelegt.

Die geplante Schule soll 180 Plätze für Kinder mit körperlichen Behinderungen bieten. Die Initiative argumentiert jedoch, dass diese Schülerinnen und Schüler stattdessen in bestehenden Regelschulen unterrichtet werden könnten. Berechnungen zufolge müsste jede Schule in der Region lediglich ein zusätzliches Kind pro Jahr aufnehmen, um Inklusion umzusetzen.

Eva-Maria Thoms, Sprecherin des Elternverbandes 'Mittendrin', erklärte, die Entscheidung missachte das Schulgesetz Nordrhein-Westfalens, das Inklusion priorisiere. Das Bündnis kritisiert zudem die hohen Baukosten als unnötige Ausgabe, wo es doch Alternativen gebe. Der Landschaftsverband Rheinland, Träger des Projekts, steht in der Kritik, inklusive Lösungen nicht ausreichend geprüft zu haben. Die hinter der Schule stehende Vereinigung hält dagegen, dass es in der Region derzeit zu wenig spezialisierte Plätze für Kinder mit körperlichen Behinderungen gebe.

Der Streit liegt nun bei den kommunalen Aufsichtsbehörden, nachdem das Bündnis formell Beschwerde eingelegt hat. Sollte diese stattgegeben werden, könnte der Bau gestoppt und die Behörden stattdessen verpflichtet werden, die inklusive Bildung an Regelschulen auszubauen. Die Entscheidung wird darüber bestimmen, ob die 97-Millionen-Euro-Einrichtung realisiert wird – oder ob die Mittel umgelenkt werden.