Berlins Kulturschaffende kämpfen vor der Wahl um ihre Zukunft
Klaus-Michael JopichBerlins Kulturschaffende kämpfen vor der Wahl um ihre Zukunft
Berlins Kulturszene formiert sich vor der Wahl
Vor den anstehenden Wahlen in Berlin mobilisiert sich die Kulturbranche der Stadt. Die Initiative „Berlin ist Kultur“ hat eine Kampagne gestartet, um die Förderung von Kunst und Kultur ganz oben auf die politische Agenda zu setzen. Theater, Künstler:innen und Aktivist:innen warnen vor schweren Folgen, sollte sich die aktuelle Entwicklung fortsetzen.
Die Initiative will in der gesamten Stadt präsent sein: Spielstätten zeigen im Wahlkampf den Slogan „#deinstimmfürkultur“, um Druck auf die Kandidat:innen auszuüben. Institutionen und Verbände haben zudem „Wahl-Prüfsteine“ für die Bewerber:innen erarbeitet – darunter Fragen zur Stabilisierung der künstlerischen Ausbildung.
Im Mittelpunkt steht die „Berliner Erklärung“, die fordert, mindestens drei Prozent des Landeshaushalts für Kultur bereitzustellen. Zudem wird der Aufbau verlässlicher Förderstrukturen angemahnt. Oliver Reese, Intendant des Berliner Ensembles, übt scharfe Kritik an den jüngsten Kürzungen, die er als „fehlgeleitet“ bezeichnet. Er verwies auf die drohende Schließung des Atelierhauses in der Wilsnacker Straße als direkte Folge der gekürzten Mittel.
Reese schilderte eine persönliche Geschichte, um die Bedeutung kultureller Einrichtungen zu unterstreichen: Mit 14 Jahren habe ein Besuch im Theater Paderborn sein Leben verändert. Andere aus der Branche teilten seine Sorgen. Tom Streidel, Tischler am Maxim Gorki Theater, warnte, dass ab Januar 2027 Mietzahlungen die Existenz der Opernstiftung gefährden könnten. Gabi Dan Droste, Leiterin des FELD Theaters, verglich die prekäre Fördersituation mit dem Mythos von Ikarus – ein Absturz drohe, wenn man zu hoch fliege.
Die Auftaktveranstaltung der Kampagne stieß auf politische Unterstützung: Katharina Marg von der Linken, Ronja Losert und Bertram von Boxberg von den Grünen nahmen an der Startwoche teil.
Ziel der Initiative ist es, die Wahldebatte um das Überleben der Kulturszene zu prägen. Mit der Erklärung und öffentlichen Aktionen soll eine langfristige Finanzierung gesichert und weitere Schließungen verhindert werden. Nun beobachten Politiker:innen und Künstler:innen genau, wie die Kandidat:innen reagieren.






