11 January 2026, 08:46

Corny Littmanns 50 Jahre Bühne: Vom schwulen Pionier zum St.-Pauli-Retter

Menschen sitzen auf Stühlen auf einer Bühne mit Namensschildern und Mikrofonen auf einem Tisch davor, während Zuschauer in Stühlen sitzen und zuschauen; ein Projektionsschirm und Beleuchtung an Eisenstangen sind im Hintergrund sichtbar.

Theaterdirektor Corny Littmann feiert 50-jähriges Bühnenjubiläum - Corny Littmanns 50 Jahre Bühne: Vom schwulen Pionier zum St.-Pauli-Retter

Corny Littmann feiert 50. Bühnenjubiläum am 13. Januar

Der bekannte Theaterregisseur und Schauspieler Corny Littmann blickt auf ein halbes Jahrhundert Bühnenpräsenz zurück. Seine Karriere umfasst Jahrzehnte – von der Gründung der ersten offen schwulen Theatergruppe Deutschlands bis zur Rettung eines Fußballvereins vor dem finanziellen Ruin. Dabei prägte er mit ikonischen Spielstätten und Shows maßgeblich die Hamburger Kulturszene.

1952 in Münster geboren, zog Littmann mit 15 nach Hamburg. 1976 gründete er mit anderen Brühwarm, die erste offen schwule Theatergruppe des Landes. Zwölf Jahre später folgte gemeinsam mit Gunter Schmidt das Tourneetheater Familie Schmidt, dessen provokantes Programm Deutsch, Ledig, Homosexuell für Aufsehen sorgte.

1988 eröffneten Littmann und Schmidt das Schmidt Theater an der Reeperbahn. Die Premiere Sag „Bitte“ – dann sing ich auch mit Lilo Wanders (Ernie Reinhardt) in der Hauptrolle wurde ein Erfolg. 1991 folgte, zusammen mit Norbert Aust, Schmidts Tivoli. Die Schmidt Midnight Show – eine Mischung aus Varieté und Laientalent – entwickelte sich nach der Übernahme durch den NDR zum bundesweiten Kult. Doch Littmanns Einfluss reichte über die Bühne hinaus: Von 2003 bis 2010 führte er als Präsident den FC St. Pauli aus der Insolvenz. Parallel blieb er dem Theater treu, inszenierte und spielte in Musicals, Schlager-Revuen und Dauerbrennern. Oft in der Rolle „gebrochener Charaktere“, bewies er seine wandelbare Kunst. 2015 erweiterten er und Aust ihr Imperium mit dem Schmidtchen – damit betreiben sie drei Theater an der Reeperbahn.

Littmann setzte sich stets für LGBTQ+-Rechte ein. Sein Wirken, auf und hinter der Bühne, steht für ein lebenslanges Engagement für Sichtbarkeit und Akzeptanz.

Sein 50-jähriges Schaffen hat die deutsche Kultur nachhaltig geprägt – von der Pionierarbeit im schwulen Theater bis zur Rettung eines Traditionsvereins. Während er dieses Jubiläum feiert, ist sein Erbe in der Hamburger Kunstszene unbestritten.