08 February 2026, 13:00

Deutsche Krankenhäuser kämpfen mit veralteter Krisenvorsorge und fehlenden Schutzräumen

Eine Zeichnung eines mehrfenstrigen Gebäudes mit einem Schornstein, das mutmaßlich ein Psychiatriekrankenhaus in Deutschland ist, mit Text, der weitere Informationen bereitstellt.

Deutsche Krankenhäuser kämpfen mit veralteter Krisenvorsorge und fehlenden Schutzräumen

Deutsche Krankenhäuser vor wachsenden Herausforderungen bei der Bewältigung großflächiger Krisen

Jahrzehnte nach dem Kalten Krieg sind viele Notfallmaßnahmen – wie Bunker und geschützte medizinische Einrichtungen – verschwunden. Doch angesichts steigender geopolitischer Spannungen und potenzieller Bedrohungen für NATO-Mitglieder wird die Debatte über die Krisenvorsorge neu entfacht.

Während des Kalten Krieges verfügte Deutschland über ein gut ausgebautes Zivilschutzsystem. Über 2.000 geschützte medizinische Einrichtungen und Pläne für Massenanfälle von Verletzten gehörten zum Krankenhaus-Netzwerk. Seit 1991 wurden jedoch fast alle diese Maßnahmen abgebaut. Hilfsbunker, die in Nordrhein-Westfalen (NRW) als Krankenhäuser genutzt wurden, sind geschlossen – heute verfügt keine einzige Klinik in der Region mehr über einen unterirdischen Schutzraum.

Eine aktuelle Umfrage des WDR ergab, dass 40 von 53 Krankenhäusern in NRW über Notstromsysteme verfügen. Die meisten könnten mit Dieselgeneratoren drei Tage lang betrieben werden, wie etwa das Bergmannsheil, das genug Treibstoff für 72 Stunden vorrätig hat. Doch die Wasserversorgung bleibt ein Schwachpunkt: Nur jedes fünfte Krankenhaus hält einen Vorrat an abgefülltem Wasser für eine Woche bereit.

Auch die medizinischen Reserven stellen ein Problem dar. Krankenhäuser lagern zwar lebenswichtige Medikamente für zwei bis sechs Wochen, doch Blutkonserven wären in einer Krise schnell aufgebraucht. Professor Boris Augurzky schlägt ein rotierendes Lagerungssystem vor, um das Verfallen von Arzneimitteln zu verhindern. Gleichzeitig warnt Mirko Aach, ärztlicher Direktor des Bergmannsheil, dass die Kliniken auf Massenanfälle von Verletzten schlecht vorbereitet seien.

Die städtischen Kliniken Kölns haben Pläne für ein zweistöckiges Untergeschoss entworfen, das im Frieden als Parkhaus und im Krisenfall als medizinisches Notfallzentrum dienen könnte. Doch die Finanzierung bleibt ein Hindernis. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann räumte ein, dass keine Landesmittel verfügbar seien, schlug aber vor, auf Bundesmittel aus dem Verteidigungsetat zurückzugreifen. Enge Budgets erschweren zudem die Schulung von Personal, da Fortbildungen von staatlicher Seite kaum erstattet werden.

Ohne finanzielle Unterstützung kämpfen die Krankenhäuser darum, die Notfallinfrastruktur wieder aufzubauen. Der Verlust der Schutzmaßnahmen aus dem Kalten Krieg hinterlässt Lücken in der Krisenbewältigung. Vorschläge wie rotierende Medikamentenvorräte oder multifunktionale Keller bieten zwar Teillösungen – doch umfassende Finanzierung und Planung sind weiterhin dringend erforderlich.