Deutschlands neuer Hirschrufer-Meister: Tradition trifft auf Artenschutz
Hans-Gerd JunkOhne Geweih, aber mit Stimmgewalt: Bestes Hirschrufen gekrönt - Deutschlands neuer Hirschrufer-Meister: Tradition trifft auf Artenschutz
Ein 25-jähriger Brauch im Artenschutz hat seinen neuen Meister gekürt
Thomas Soltwedel aus Dobbin-Linstow in Mecklenburg-Vorpommern hat den Deutschen Hirschrufer-Championtitel gewonnen. Der Wettbewerb, der gemeinsam vom Jagdmagazin Wild & Hund veranstaltet wird, prüft das Können der Teilnehmer, die Rufe von Rotwild naturgetreu nachzuahmen.
Doch hier zählt nicht nur Talent – jahrelanges Training und ein tiefes Verständnis für das Verhalten der Tiere sind entscheidend. Mit ungewöhnlichen Hilfsmitteln wie Ochsenhörnern, Glaszylindern oder Tritonschnecken versuchen die Wettbewerber, die Laute der Tiere so originalgetreu wie möglich zu imitieren. Die Jury, die die Darbietungen blind über Kopfhörer bewertet, kennt die Identität der Teilnehmer nicht.
Soltwededel setzte sich in allen drei Kategorien durch: den Rufen zweier gleich starker Hirsche, dem Brunftschrei eines alten Platzhirschs und den Balzlauten eines dominanten Männchens. Sein Sieg unterstreicht die Präzision, die in diesem Nischenhandwerk – und doch kulturell bedeutsamen Handwerk – gefragt ist.
Doch der Wettbewerb lenkt den Blick auch auf die Bedrohungen, denen Deutschlands größtes heimisches Wildtier ausgesetzt ist. Rotwild leidet unter Inzucht und Lebensraumverlust, was den Artenschutz immer dringlicher macht. Die Veranstalter betonen, dass die Meisterschaft nicht nur traditionelle Lockjagdtechniken bewahrt, sondern auch das Bewusstsein für den Rückgang der Population schärft.
Mit Soltwedels Erfolg lebt die Tradition ein weiteres Jahr fort. Der Wettbewerb bleibt eine seltene Bühne für menschliches Können und Naturschutz gleichermaßen. Indem er die Rufe des Rotwilds in den Mittelpunkt stellt, verbindet er Jäger, Experten und die Öffentlichkeit mit den Herausforderungen, vor denen diese Tiere stehen.