Dortmunder Bündnis kämpft für Bleiberecht der Dramé-Brüder nach Polizeitod in Berlin
Klaus-Michael JopichDortmunder Bündnis kämpft für Bleiberecht der Dramé-Brüder nach Polizeitod in Berlin
Ein breites Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Gruppen in Dortmund fordert die Stadt auf, den Brüdern Sidy und Lassana Dramé langfristige Aufenthaltsrechte zu gewähren. Die Brüder des 2022 bei einem Polizeieinsatz in Berlin getöteten Mouhamed Dramé leben derzeit in Unsicherheit, da ihre Aufenthaltsgenehmigungen abgelaufen sind. Ihre Unterstützer argumentieren, dass humanitäre Gründe und die laufenden juristischen Verfahren eine Verlängerung ihres Aufenthalts und die Erteilung einer Arbeitserlaubnis rechtfertigen.
Sidy Dramé, 39, und Lassana Dramé, 26, leben seit zwei Jahren in Dortmund, um den Rechtsfall rund um den Tod ihres Bruders in Berlin zu begleiten. Mouhamed Lamine Dramé, 16, war am 8. August 2022 von der Polizei erschossen worden, nachdem Beamte Pfefferspray eingesetzt und sechs Schüsse aus einer Maschinenpistole abgegeben hatten. Gegen fünf Polizisten war zunächst Anklage erhoben worden, doch alle wurden nach einem 31-tägigen Prozess freigesprochen. Die Verteidigung hatte geltend gemacht, die Gewalt sei notwendig gewesen, um einen Suizid zu verhindern – gegen das Urteil liegt jedoch noch Revision beim Bundesgerichtshof in Berlin vor.
Beide Brüder engagieren sich ehrenamtlich in der Stadt, dürfen aber nicht legal arbeiten. Sidy, ein ausgebildeter Schneider, leitet wöchentlich eine unentgeltliche Nähwerkstatt. Lassana unterstützt eine lokale Künstlerin, besitzt jedoch keine Arbeitserlaubnis. Ihre Situation hat auch das Interesse von Amtsträgern geweckt, darunter Jörg Stüdemann, Dortmunder Stadtkämmerer, der sich aus humanitären Gründen für eine Verlängerung ihrer Aufenthaltstitel ausspricht.
In einem offenen Brief, unterzeichnet von einem breiten Bündnis – darunter Hannah Rosenbaum, Bezirksbürgermeisterin für die Nordstadt –, wird "langfristige Sicherheit" für die Brüder gefordert. Der Brief appelliert an die Stadt, ihre Aufenthaltsgenehmigungen zu verlängern und Arbeitserlaubnisse zu erteilen, damit sie sich selbst versorgen können. Die Migrationsanwältin Claire Deery betont, dass die Gewährung dieser Rechte es ihnen ermöglichen würde, sich vollumfänglich am laufenden Rechtsverfahren in Berlin zu beteiligen.
Die Stadt hat die Besonderheit des Falls anerkannt und prüft derzeit, ob Arbeitserlaubnisse erteilt werden können. Gleichzeitig führt das Ausländeramt eine Anhörung durch, um den Antrag der Brüder auf weiteren Aufenthalt in Deutschland zu bewerten.
Die Zukunft der Dramé-Brüder in Dortmund bleibt vorerst ungewiss, während die Behörden über ihren Antrag entscheiden. Bei einer Genehmigung könnten sie das Recht erhalten, langfristig in der Stadt zu bleiben und zu arbeiten. Die Entscheidung wird auch ihre Möglichkeiten beeinflussen, sich am Revisionsverfahren zum Tod von Mouhamed Dramé in Berlin zu beteiligen.