Dringlichkeitsüberweisungen: Wie Hausärzte unter Druck geraten und das System aushebeln

Klaus-Michael Jopich
Klaus-Michael Jopich
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Eine Person zeigt auf ein GPS-Gerät auf dem Armaturenbrett eines Autos, umgeben von Gebäuden, Bäumen und einem klaren blauen Himmel.Klaus-Michael Jopich

Dringlichkeitsüberweisungen: Wie Hausärzte unter Druck geraten und das System aushebeln

Ein neuer Bericht deckt den weitverbreiteten Missbrauch von dringlichen Facharztüberweisungen in Deutschland auf. Viele Hausärzte geben zu, unter Druck zu stehen, ungerechtfertigte Dringlichkeitsüberweisungen auszustellen – oft, um lange Wartezeiten zu umgehen. Nun fordern Behörden strengere Kontrollen und mögliche Reformen des bestehenden Systems.

Das Problem wurde bekannt, nachdem eine Umfrage ergab, dass rund 750 von über 800 befragten Hausärzten bundesweit mit Fällen konfrontiert waren, in denen Fachärzte Dringlichkeitsüberweisungen ohne medizinische Notwendigkeit verlangten. Allein in Nordrhein-Westfalen berichteten mehr als 200 Hausärzte von ähnlichen Drucksituationen. Ein Grund für die Missstände liegt in den Abrechnungspraktiken: Manche Fachärzte nutzen Dringlichkeitscodes aus, um ihre Einnahmen zu steigern.

Offiziell ist es Hausärzten verboten, Dringlichkeitsüberweisungen allein auszustellen, um Wartezeiten zu verkürzen. Dennoch fühlen sich viele gezwungen, nachzugeben, wenn Patienten darauf bestehen. Eine Ablehnung führt häufig zu Konflikten und stellt die Ärzte vor ein Dilemma. Gleichzeitig stellte der Bundesrechnungshof fest, dass sich trotz steigender Kosten die durchschnittlichen Wartezeiten auf Facharzttermine nicht verbessert haben – in manchen Fällen sind sie sogar länger geworden.

Das aktuelle Überweisungssystem wurde 2019 mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz eingeführt, das die Wartezeiten von durchschnittlich 21,4 Tagen im Jahr 2018 auf etwa 10 bis 12 Tage bis 2023–2025 reduzierte. Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeigen, dass über 70 Prozent der kurzfristigen Termine wie vorgesehen vergeben werden. Doch der Bundesrechnungshof und der GKV-Spitzenverband argumentieren nun, dass die Regelungen missbraucht werden und abgeschafft gehören.

Der Verband der Fachärzte (SpiFa) betont zwar, dass Dringlichkeitsüberweisungen bei medizinischer Notwendigkeit rechtmäßig seien. Gleichzeitig räumt er ein, dass solche Überweisungen keine zusätzlichen Behandlungskapazitäten schaffen – das Kernproblem bleibt also ungelöst. Die Kontrollen sind nach wie vor lasch, da Abrechnungsprüfungen keine direkten Patientenkontakte umfassen, was Missbrauch practically undurchsichtig macht.

Die Debatte um Dringlichkeitsüberweisungen offenbart eine Kluft zwischen Theorie und Praxis. Zwar verkürzte das Gesetz von 2019 die Wartezeiten, doch Schlupflöcher und finanzielle Anreize haben seine Wirkung untergraben. Die Behörden stehen nun vor der Herausforderung, das System so zu reformieren, dass ein fairer Zugang gewährleistet wird – ohne die Hausärzte mit zusätzlichem bürokratischem Aufwand zu belasten.

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