Duisburgs dunkles Erbe: Wie NS-Zwangssterilisationen lokal umgesetzt wurden
Klaus-Michael JopichDuisburgs dunkles Erbe: Wie NS-Zwangssterilisationen lokal umgesetzt wurden
Öffentlicher Vortrag zu Zwangssterilisationen im Nationalsozialismus in Duisburg am 19. Februar
Am Donnerstag, dem 19. Februar, findet in Duisburg ein öffentlicher Vortrag über Zwangssterilisationen während der NS-Zeit statt. Dr. Bernd Kern von der Universität Duisburg-Essen wird die Veranstaltung leiten, die sich mit der Rolle der Stadt bei der Umsetzung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses von 1933 befasst. Beginn ist um 18:15 Uhr in der DenkStätte, der Gedenkstätte im Gebäude des Stadtarchivs.
Im Mittelpunkt des Vortrags stehen die rechtlichen, politischen und administrativen Strukturen, mit denen die nationalsozialistischen Sterilisationsprogramme in Duisburg durchgesetzt wurden. Untersucht wird, wie das am 14. Juli 1933 erlassene Gesetz bis 1949 lokal angewendet wurde. Anhand von Fallbeispielen wird veranschaulicht, nach welchen Kriterien die Erbgesundheitsgerichte – unter der Zuständigkeit des Oberlandesgerichts Hamm – Menschen als "erbkrank" einstuften, darunter Personen mit Schizophrenie, Epilepsie oder erblich bedingten geistigen Erkrankungen.
Obwohl die genauen Zahlen für Duisburg nicht dokumentiert sind, belegen Unterlagen über 1.500 Zwangssterilisationen in der nahegelegenen Region Aplerbeck/Dortmund. Zudem wird der Vortrag die sozialen und wirtschaftlichen Hintergründe dieser Maßnahmen analysieren.
Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich, die Plätze sind jedoch auf 60 Personen begrenzt. Veranstaltungsort ist die DenkStätte am Karmelplatz 5 im Duisburger Innenhafen.
Der Vortrag bietet eine detaillierte Aufarbeitung der Umsetzung der NS-Sterilisationsgesetze in Duisburg. Durch die Verknüpfung von Statistiken, juristischen Analysen und Fallstudien wirft er Licht auf ein weniger bekanntes Kapitel der Stadtgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus. Die Veranstaltung lädt zur öffentlichen Auseinandersetzung mit den administrativen und gesellschaftlichen Mechanismen dieser Politik ein.