Ex-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands Kampfflugzeug-Strategie als "Größenwahn"

Egbert Peukert
Egbert Peukert
2 Min.
Ein deutsches Propagandaplakat aus dem Zweiten Weltkrieg, das eine Gruppe von Kampfflugzeugen in der Luft zeigt, mit Text über ihre Fähigkeiten.Egbert Peukert

Ex-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands Kampfflugzeug-Strategie als "Größenwahn"

Der ehemalige Airbus-Chef Thomas Enders hat Deutschlands Vorgehen bei der Entwicklung eines Kampfflugzeugs der nächsten Generation scharf kritisiert. Die Entscheidung von 2017, sich mit Frankreich statt mit Großbritannien zu verbünden, bezeichnete er als "strategischen Fehler". Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der die Bundesregierung diskutiert, ob sie das deutsch-französische FCAS-Projekt (Future Combat Air System) weiterverfolgen oder stattdessen auf Drohnentechnologie setzen soll.

Enders lehnte die Idee eines alleinigen deutschen Kampfflugzeugprogramms als "gigantische Fehlallokation von Ressourcen" ab. Zwar räumte er ein, dass Deutschland technisch in der Lage sei, ein eigenes Kampfflugzeug zu bauen, warnte jedoch vor exorbitanten Kosten und jahrelangen Verzögerungen. Seine Position steht im Widerspruch zu der des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der Gewerkschaft IG Metall und dem aktuellen Airbus-Chef Guillaume Faury.

Bundeskanzler Friedrich Merz stellte infrage, ob Deutschland in 20 Jahren überhaupt noch bemannte Kampfflugzeuge benötigen werde. Er verwies auf unterschiedliche Anforderungen Deutschlands und Frankreichs und regte einen Wechsel zu unbemannten Drohnensystemen an. Verteidigungsminister Boris Pistorius teilt zwar teilweise die Skepsis, macht jedoch industrielle Streitigkeiten mit Frankreich und nicht politische Spannungen für die Probleme verantwortlich. Die Regierung plant derzeit keinen weiteren Kauf von F-35-Kampfjets und erwägt, ob das FCAS-Projekt als bemanntes Kampfflugzeug fortgeführt oder auf hochmoderne Drohnen umgestellt werden soll.

Enders argumentierte, die Zukunft der Militärluftfahrt liege in massenhaft produzierten, KI-gesteuerten autonomen Systemen und nicht in komplexen bemannten Jets. Bemannte Kampfflugzeuge würden seiner Meinung nach in den nächsten zwei Jahrzehnten nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Statt eines deutschen Eigenbaus schlug er vor, sich dem britischen GCAP-Programm (Global Combat Air Programme) anzuschließen oder mit Schweden zu kooperieren. Gleichzeitig warnte er davor, einfach amerikanische Plattformen zu kaufen, und plädierte für Investitionen in Europas eigene industrielle und technologische Fähigkeiten.

Die Debatte über die deutsche Kampfflugzeugstrategie bleibt vorerst ungelöst. Sollte das FCAS-Projekt scheitern, warnt Enders, wäre ein alleiniges deutsches Programm "industriepolitischer Größenwahn". Die Regierung muss nun entscheiden, ob sie die deutsch-französische Partnerschaft fortsetzt, auf Drohnentechnologie setzt oder neue Bündnisse sucht.

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