13 December 2025, 14:52

Frankenforst: Wie ein Kölner Villenviertel die Schatten der Weltkriege trägt

Ein Plakat mit zahlreichen Gebäuden und hervorgehobener Schrift.

Frankenforst: Wie ein Kölner Villenviertel die Schatten der Weltkriege trägt

Villenkolonie Frankenforst: Verdängte Wahrheiten im begehrten Viertel

Teaser: Eine verbotene Liebe, NS-Enteignungen, die Vertreibung der Villenbesitzer in den eigenen Hühnerstall – das Buch der Frankenforsterin Rosine De Dijn „In begehrter Lage“ ist eine Anatomie des Erinnerungsvermögens: Im Bensberger Villenviertel Frankenforst spiegeln sich die Tragödien der beiden Weltkriege wie unter einem Brennglas, verdichtet auf wenige Fassaden und Familienschicksale.

Veröffentlichungsdatum: 5. Dezember 2025, 11:33 Uhr MEZ

Schlagwörter: Geschichte, Kultur, Gesellschaft, Lokales

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Artikeltext: Ein neues Buch der Journalistin Rosine De Dijn deckt die bewegte Geschichte der Villenkolonie Frankenforst in Köln auf. 1907 als Refugium vor der industriellen Enge gegründet, wurde das Viertel durch die beiden Weltkriege aus seiner friedlichen Idylle gerissen. Anhand von Grundbuchakten, Tagebüchern und Fotografien zeichnet „In begehrter Lage“ das Leben der Familien nach, die hier einst heimisch waren – viele von ihnen verschwanden unter der Last von Krieg und politischem Umbruch.

Der Frankenforster Stadtteil begann als ruhiger Rückzugsort für das Kölner Bürgertum, mit baumgesäumten Alleen und Jugendstilvillen, fern vom Rauch und Lärm der Stadt. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 stürzte zahlreiche Bewohner in Not. Conrad Grommes, ein ortsansässiger Lehrer und Schulleiter, führte sogar seine jungen Schüler an die Front und rief sie auf, für das Vaterland zu kämpfen.

Das Buch fügt Bruchstücke verlorener Existenzen zusammen – über Baupläne, Zeitungsausschnitte und private Briefe. Es zeigt, wie Krieg und Ideologie eine Gemeinschaft umformten und leere Villen sowie vergessene Namen zurückließen. Für De Dijn ist das Werk zugleich historische Dokumentation und Hommage an jene, die einst durch Frankenforsts Straßen gingen, doch von der Zeit getilgt wurden.