Geraubtes Schmidt-Rottluff-Gemälde kehrt zu jüdischen Erben zurück – und bleibt doch im Museum
Klaus-Michael JopichBeutekunst: Gemälde bleibt in Wuppertal - Geraubtes Schmidt-Rottluff-Gemälde kehrt zu jüdischen Erben zurück – und bleibt doch im Museum
Ein Gemälde von Karl Schmidt-Rottluff wurde an die Erben einer jüdischen Familie zurückgegeben, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Das Werk Zwei Frauen (Frauen in Grün) wurde später vom Von der Heydt-Museum in Wuppertal zurückgekauft. Die Einigung markiert die zweite bedeutende Restitution an die Hess-Erben in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr.
Das Gemälde gehörte ursprünglich Alfred Hess, einem jüdischen Industriellen aus Wiesbaden. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 brachte seine Witwe Tekla Hess große Teile der Sammlung – darunter auch dieses Werk – in die Schweiz, um der Verfolgung zu entgehen. Vier Jahre später schickte sie das Gemälde unter nationalsozialistischem Druck nach Deutschland zurück, bevor sie 1939 nach London floh.
Bis 1947 befand sich das Kunstwerk im Besitz des Wuppertaler Städtischen Museums, dem heutigen Von der Heydt-Museum. Nach jahrelanger Provenienzforschung und Verhandlungen mit den Erben erklärte sich das Museum bereit, das Gemälde zurückzugeben. Die Vereinbarung ermöglichte es der Institution, das Werk zurückzukaufen, wobei der Kaufpreis nicht bekannt gegeben wurde.
Die Mittel für den Rückkauf stammen aus verschiedenen Quellen, darunter Landeszuschüsse und Kunststiftungen. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, betonte die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Geschichte von Kunstwerken, die jüdischen Sammlern in der NS-Zeit geraubt wurden. Für die Familie Hess ist dies nicht die erste Restitution: 2006 wurde Ernst Ludwig Kirchners Berliner Straßenbild an sie zurückgegeben.
Das Gemälde bleibt nun Teil der Sammlung des Von der Heydt-Museums. Der Fall unterstreicht die anhaltenden Bemühungen, historische Ungerechtigkeiten im Kunstbesitz aufzuarbeiten. Zu den früheren Restitutionen an die Hess-Erben zählen weitere bedeutende Werke, die in den vergangenen Jahrzehnten zurückerstattet wurden.