13 December 2025, 19:04

Grimme Online Award: Preisträger boykottieren Verleihung nach Antisemitismus-Vorwürfen

Eine Frau auf der linken Seite, die lächelt, und eine andere Frau in einem schwarzen Kleid, die ein Objekt hält und an einem Podium mit zwei Mikrofonen spricht, mit Bannern im Hintergrund, die Bilder und Text anzeigen.

Grimme Online Award: Preisträger boykottieren Verleihung nach Antisemitismus-Vorwürfen

Preisträger lehnen Auszeichnung ab

Zwei Preisträger des Preises für Netjournalismus verzichten auf die Auszeichnung. Hintergrund ist der Streit um die Ehrung einer Nahost-Aktivistin.

  1. Oktober 2025, 08:44 Uhr

Die Verleihung des Grimme Online Awards nahm eine unerwartete Wendung, als zwei ausgezeichnete Regisseure ihre Preise aus Protest zurückwiesen. Moritz Riesewieck und Hans Block, die für ihren Dokumentarfilm Eternalyou ausgezeichnet werden sollten, lehnten die Ehrung aufgrund einer separaten Kontroverse ab. Ihre Entscheidung rückte die Spannungen innerhalb des Preisvergabeprozesses selbst in den Fokus.

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Unterdessen wurden bei der Veranstaltung weitere Projekte des digitalen Journalismus gewürdigt – von Aufklärung über psychische Gesundheit bis zur Entlarvung von Gesundheitsmythen.

Die Regisseure Moritz Riesewieck und Hans Block sollten eigentlich einen Sonderpreis für Eternalyou erhalten, eine Reportage über KI-generierte Dienste, die fiktive Gespräche mit Verstorbenen anbieten. Stattdessen boykottierten sie die Veranstaltung, nachdem der Preis an die junge Nahost-Aktivistin Judith Scheytt zurückgenommen worden war. Der unabhängige Förderverein Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises hatte Scheytts Auszeichnung nach Kritik und Vorwürfen des Antisemitismus entzogen.

Grimme-Direktorin Çiğdem Uzunoğlu bezeichnete die Rücknahme später als „formell inkorrekt“ und kündigte an, das Institut vollständig vom Förderverein zu trennen. Zudem versprach sie eine breite Debatte über die Angelegenheit.

Jenseits der Kontroverse wurden mehrere Projekte ausgezeichnet, die sich mit gesundheitlichen und sozialen Themen befassen. Der Instagram-Kanal Little Monsters des WDR erhielt einen Preis für seinen Fokus auf psychische Gesundheit, während Know & Grow von SWR auf TikTok für die Aufklärung über Fitness- und Ernährungsmythen geehrt wurde. Auch Gynaekollege von Arzt Mertcan Usluer wurde für seine zugänglichen Informationen zu gynäkologischer Gesundheit ausgezeichnet.

Weitere Preisträger waren der Instagram-Kanal Femizide stoppen der Journalistin Franziska Kiefer, der Femizide in Deutschland dokumentiert, sowie der Podcast Parlamentsrevue, der für seine verständliche Aufbereitung parlamentarischer Arbeit mit minimalen Mitteln gelobt wurde.

Die Veranstaltung endete mit ungelösten Spannungen um die zurückgenommene Auszeichnung, doch das Grimme-Institut bestätigte seine Pläne, sich vom Förderverein zu distanzieren. Die prämierten Projekte – von KI-Ethik bis hin zu öffentlicher Gesundheit – unterstrichen indes die wachsende Bedeutung des digitalen Journalismus bei der Auseinandersetzung mit komplexen gesellschaftlichen Themen. Die Debatte über Transparenz und Fairness im Vergabeverfahren wird voraussichtlich anhalten.