23 April 2026, 14:39

"Kein Körper passt" feiert rauschende Theaterpremiere in Berlin

Ein Buchumschlag mit der Aufschrift "Unsere Künstler - Vergangenheit und Gegenwart" mit verschiedenen Männergesichtern mit unterschiedlichen Ausdrücken und Hairstyles.

"Kein Körper passt" feiert rauschende Theaterpremiere in Berlin

Die Bühnenadaption von Kein Körper passt feiert Premiere vor ausverkauftem Haus im Berliner Vaganten Bühne

Die Theaterfassung von Kim de l'Horizons preisgekröntem Debütroman Kein Körper passt hatte am Berliner Vaganten Bühne vor ausverkauftem Publikum Premiere. Das Stück, basierend auf dem mit dem Deutschen und Schweizer Buchpreis 2022 ausgezeichneten Werk, erzählt Kims zutiefst persönliche Reise durch Erinnerung, Identität und die Last der Familiengeschichte.

Die Inszenierung setzt auf eindrucksvolle visuelle Elemente, darunter zerschlissene, mit Sand und Bällen gefüllte beige Strumpfhosen, die von der Decke hängen. Im Kern bricht die Geschichte jahrzehntelanges Schweigen über Geschlecht, Trauma und den Widerstand des Körpers auf, sich in Schubladen pressen zu lassen.

Kims Erzählung beginnt mit der Demenz ihrer Großmutter, eine Krise, die sie zurück in ihre Schweizer Vorstadtkindheit zieht. Unter einer Blutbuche, die ihr Urgroßvater gepflanzt hat, findet Kim einen seltenen Ort der Geborgenheit. Dieser Baum wird zu einem stillen Anker, während sie sich den unerzählten Kämpfen ihrer mütterlichen Ahnenreihe stellt.

Auf der Bühne wird Kim von drei Schauspieler:innen verkörpert – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger –, die jeweils unterschiedliche Facetten einer genderfluiden Existenz darstellen. Ihr Körper, wie im Roman beschrieben, widersetzt sich binären Definitionen und existiert ohne feste Grenzen. Das Stück verwebt transgenerationale Traumata und zeigt, wie Schweigen und Scham das Leben von Kims Vorfahr:innen geprägt haben.

Nach neunzig Minuten legen die Darsteller:innen symbolisch das Große Meer zur Ruhe. Dieser Akt markiert das Brechen des Schweigens, die Verwandlung von Scham in Selbstakzeptanz. Die rohe Ehrlichkeit und die poetischen Bilder der Inszenierung lassen keinen Zweifel an ihrer emotionalen Wucht.

Die Themen des Romans – Fluidität und Erbe – entfalten auf der Bühne eine ebenso kraftvolle Wirkung. Kims Weigerung, sich von anderen definieren zu lassen, wird zu einem stillen Aufstand, der das Publikum auffordert, das Verständnis von Körpern und Geschichten neu zu denken.

Die Premiere im Vaganten Bühne bestätigt die anhaltende Relevanz des Romans, der nun durch das Theater lebendig wird. Mit der ausverkauften Vorstellung beweist das Stück, dass Kims Geschichte – von einem Körper, der sich Kategorien entzieht, und einer Vergangenheit, die Gehör verlangt – tief berührt.

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Sowohl das Buch als auch seine Bühnenfassung sind Zeugnisse der Macht, das Schweigen zu brechen. Sie bieten keine einfachen Antworten, nur die unmissverständliche Botschaft, dass manche Wahrheiten sich nicht unterdrücken lassen.

Quelle