17 January 2026, 13:46

Kirchenpräsident warnt vor gefährlicher Vermischung von Glaube und Politik in Deutschland

Ein Plakat mit einem Zitat von Präsident Joe Biden über die Wiederherstellung der Seele des Landes, den Wiederaufbau der Mittelschicht und die Einheit des Landes.

Präses Latzel warnt vor politischer Missbrauch des Glaubens - Kirchenpräsident warnt vor gefährlicher Vermischung von Glaube und Politik in Deutschland

Thorsten Latzel, Präsident der Evangelischen Kirche im Rheinland, hat sich gegen die Vermischung von Glaube und Politik ausgesprochen. Seine Äußerungen fielen während der Landessynode der Kirche, die rund zwei Millionen Mitglieder in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland vertritt. Latzel kritisierte insbesondere Entwicklungen in den USA und warnte vor ähnlichen Tendenzen in Deutschland.

Der Kirchenpräsident verurteilte die enge Verbindung evangelikaler Christen in den USA mit politischen Bewegungen, vor allem unter dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump. Er argumentierte, dass Trumps Darstellung als „messianischer Erlöser“ christliche Lehren verfälsche. Latzel verwies zudem auf den US-Vizepräsidenten JD Vance, der theologische Argumente nutzt, um die restriktive Migrationspolitik der Einwanderungsbehörde ICE zu rechtfertigen.

Die bis Dienstag andauernde Synode bot Latzel eine Plattform, um grundsätzliche Bedenken zu äußern. Er betonte: „Jesus ist kein Garant nationalistischer Politik“ und lehnte Versuche ab, das Christentum für Imperialismus oder Nationalismus zu instrumentalisieren. Seine Kritik richtete sich auch gegen Deutschland, wo er vor einer Annäherung sogenannter „christlicher Influencer“ an rechtsextreme Gruppen wie die AfD warnte. Zudem prangerte Latzel das globale Wettrüsten an und argumentierte, dass militärische Ausgaben dringend benötigte Mittel für den Klimaschutz und die Armutsbekämpfung abziehen. Er sprach von einer „Militarisierung des Denkens“ und forderte mehr Engagement für Friedenssicherung und Konfliktprävention. „Wir erleben eine gefährliche Verschmelzung von Politik, Populismus und Religion – und sie könnte noch stärker werden“, warnte er.

Die Debatten der Synode spiegeln wachsende Sorgen über die Verflechtung von Glauben und extremistischer Politik wider. Latzels Aussagen unterstreichen die Haltung der Kirche gegen Nationalismus und Aufrüstung und rufen zu einer Rückkehr zu den Kernwerten des Christentums auf. Die Beratungen dauern an, während die Mitglieder diese Herausforderungen in deutschen und internationalen Kontexten diskutieren.