21 March 2026, 16:28

Krise im Berliner Haus der Kulturen: Künstlerboykott nach Chefket-Absage erschüttert Institution

Schwarze und weiße Zeichnung des Reichshallen Theaters in Berlin, die das Auditorium mit Stuhlreihen, Säulen und einer Decke zeigt, mit Text unten.

Krise im Berliner Haus der Kulturen: Künstlerboykott nach Chefket-Absage erschüttert Institution

Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin steckt in einer eskalierenden Krise, nachdem eine Reihe von Kontroversen die Institution erschüttert haben. Die Absage eines Konzerts des Rappers Chefket, der vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter Deutschlands" ernannt worden war, hat landesweite Empörung ausgelöst. In Solidarität verweigern deutsche Künstler nun Auftritte im HKW – die Zukunft des Hauses steht auf dem Spiel.

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Die Probleme begannen, als der schwäbische Rapper Chefket für einen Auftritt im HKW zum Jahrestag eines Hamas-Angriffs auf Israel gebucht wurde. Bei dem Konzert trug er ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina", das arabische Kalligrafie und eine Umrisskarte Israels zeigte – und damit scharfe Kritik provozierte. Kulturminister Wolfram Weimer griff ein, woraufhin die Veranstaltung am 27. September 2025 abgesagt wurde.

Diese Entscheidung folgte auf frühere Vorwürfe, Chefkets Auftritte enthielten antisemitische Inhalte – etwa bei einer Veranstaltung des TV-Satirikers Jan Böhmermann. Die Kontroverse spitzte sich zu, als sich sämtliche deutschen Künstler aus Protest vom HKW zurückzogen. Böhmermann selbst hatte im Haus eine Ausstellung mit dem Titel "Die Möglichkeit des Unvernünftigen" geplant, um dessen kulturelle Bedeutung zu unterstreichen.

Das HKW, nur wenige Schritte vom Bundeskanzleramt entfernt, wurde von der Bundespolitik lange vernachlässigt. Unter der Leitung des kamerunischen Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, der 2023 berufen wurde, entwickelte es sich zur ersten großen deutschen Kultureinrichtung, die vollständig von People of Color geführt wird. Doch Ndikungs "postkoloniales" Programm stößt in der deutschen Kulturszene auf Widerstand.

Die Folgen der Affäre haben dem internationalen Ruf des HKW geschadet. Trotz Auftritten von Künstlern wie dem haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil kämpft die Institution nun um ihr Ansehen. Ähnliche Debatten entbrannten anderswo – etwa nach islamfeindlichen Äußerungen eines CDU-Mitglieds gegen Cem Özdemir im März 2026 oder Forderungen nach antirassistischen Schulungen in der Linken.

Die Absage von Chefkets Konzert und der Künstlerboykott haben das HKW isoliert. Mit seiner Programmplanung unter Beschuss und ohne Rückhalt aus der Bundespolitik ist die Rolle der Institution in der deutschen Kulturlandschaft ungewiss. Der Streit wirft zudem grundsätzliche Fragen auf: Wie viel künstlerische Freiheit ist möglich? Wo beginnt politische Einflussnahme? Und wie soll kulturelle Repräsentation in Deutschland aussehen?

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