24 January 2026, 06:22

Lessing-Tage 2026: Wie das Thalia Theater Hamburg den Postpopulismus auf die Bühne holt

Eine Gruppe von Menschen, die auf einer Bühne in einem Halbkreis um ein zentrales Podium mit Mikrofon sitzen, mit Flaggen auf beiden Seiten und einem Bildschirm mit Text und Bildern im Hintergrund, während einer Pressekonferenz der Europäischen Union.

Lessing-Tage 2026: Theaterfestival mit politischem Schwerpunkt - Lessing-Tage 2026: Wie das Thalia Theater Hamburg den Postpopulismus auf die Bühne holt

Lessing-Tage im Thalia Theater Hamburg: Vom 31. Januar bis 15. Februar 2026

Vom 31. Januar bis 15. Februar 2026 findet im Hamburger Thalia Theater das Lessing-Tage-Festival statt. Die von Matthias Lilienthal kuratierte Ausgabe widmet sich in diesem Jahr dem Thema Postpopulismus – mit Performances, Debatten und interaktiven Formaten. Den Auftakt bildet eine kraftvolle polnische Gastproduktion, gefolgt von einem vielbeachteten Scheinprozess, der die politische Landschaft Deutschlands unter die Lupe nimmt.

Eröffnet wird das Festival mit Marta GórnickasMütter: Ein Lied für Kriegszeiten, einer choralen Performance von Frauen aus der Ukraine, Belarus und Polen. Diese Gastinszenierung gibt den Ton an für ein Programm, das internationale Werke mit Neuauftragsarbeiten verbindet.

Der Schweizer Regisseur Milo Rau bringt Der Prozess gegen Deutschland auf die Bühne – ein Scheinverfahren, das die Frage verhandelt, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte. Beteiligt sind echte Juristen und Politiker, die Verhandlung wird live auf der Website des Thalia Theaters übertragen. Rau, der als Regisseur und Organisator fungiert, versteht den Prozess als Prüfstand für Deutschlands historische und gegenwärtige Verantwortung. Ein von Julia Roth und Olga Drygas geleitetes Symposium vertieft die Auseinandersetzung mit postpopulistischer Politik durch Vorträge und Diskussionen. Jagoda Marinić hält die Eröffnungsrede des Festivals, während Jakub Skrzywanek mit Angriff auf das Nationale Stary-Theater eine Performance über institutionelle Machtstrukturen präsentiert.

Mit Inhabilia entsteht zudem ein Ort, an dem Kunststudierende aus Düsseldorf die Foyers des Thalia Theaters in Räume für gemeinsame Mahlzeiten, Tanz und Gespräche verwandeln. Das Festival verbindet so Performances, Debatten und partizipative Formate, um das Publikum in drängende politische und kulturelle Fragen einzubinden.

Die Lessing-Tage führen Theater, Recht und öffentliche Debatte zusammen. Mit einem Scheinprozess zur AfD, internationalen Produktionen und dem Fokus auf Postpopulismus lädt das Festival dazu ein, über Deutschlands Gegenwart und Zukunft nachzudenken. Alle zentralen Diskussionen und Aufführungen sind online im Livestream des Thalia Theaters abrufbar.