14 March 2026, 12:20

Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis nach Jahren in belarussischer Haft

Ein detaillierter alter Stadtplan von Aachen, Deutschland, der Straßen, Gebäude und Sehenswürdigkeiten zeigt, mit Text oben und unten auf dem Papier.

Spätverleihung des Karlspreises an belarussische Oppositionsfigur Kolesnikova - Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis nach Jahren in belarussischer Haft

Maria Kolesnikowa, eine führende belarussische Oppositionsfigur, hat nach Jahren in Haft den Internationalen Karlspreis endlich persönlich entgegengenommen. Die Auszeichnung, die ihr ursprünglich 2022 zuerkannt worden war, wurde am Samstag, dem 13. Januar 2026, feierlich in der historischen Krönungshalle in Aachen überreicht. Kolesnikowa bezeichnete den Moment als eine "gewaltige Ehre" und ein kraftvolles Zeichen der Solidarität während ihrer langen Inhaftierung.

Kolesnikowa war 2020 zu elf Jahren in einer Strafkolonie verurteilt worden, weil sie eine zentrale Rolle bei den Massenprotesten gegen den autoritären Machthaber Belarusslands, Alexander Lukaschenko, gespielt hatte. Trotz ihrer Haft würdigte das Karlspreis-Komitee 2022 ihren Einsatz für demokratische Rechte und freie Wahlen mit der renommierten Auszeichnung.

Ihre Freilassung erfolgte am 13. Dezember 2025 im Rahmen einer größeren Vereinbarung, die 123 politische Gefangene betraf. Die Maßnahme folgte Vermittlungsbemühungen der Vereinigten Staaten, die auch zu einer Lockerung von US-Sanktionen und diplomatischen Annäherungen aus Minsk führten. Dennoch bleibt Lukaschenkos Regime fest an der Macht – die Repressionen dauern an, trotz der Haftentlassungen.

Bei der Preisverleihung betonte Armin Laschet, Vorsitzender des Karlspreis-Direktoriums, dass Kolesnikowas Anwesenheit ein starkes Signal der Unterstützung für Demokratieaktivisten in ganz Europa sende. Die politische Landschaft in Belarus zeigt indes nur begrenzte Veränderungen: Während einige freigelassene Gefangene zur Ausreise gezwungen werden oder digitale Einschränkungen hinnehmen müssen, setzen Oppositionsfiguren wie Swjatlana Zichanouskaja ihre Arbeit aus dem Exil fort.

Der Karlspreis 2026 ging zudem an Mario Draghi, den ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank und Italiens Ex-Ministerpräsidenten. Die seit 1950 jährlich verliehene Auszeichnung ehrt Persönlichkeiten, die sich besonders um die Entwicklung Europas verdient gemacht haben.

Kolesnikowas Freilassung und die Preisverleihung stellen einen seltenen Moment der Würdigung für die bedrängte belarussische Opposition dar. Doch trotz diplomatischer Gesten und Sanktionserleichterungen hält Lukaschenkos Regierung den autoritären Kurs ungebrochen aufrecht. Die Vereinten Nationen dokumentieren weiterhin Menschenrechtsverletzungen, und viele freigelassene Aktivisten stehen unter Druck, das Land zu verlassen oder sehen sich anhaltenden Repressionen ausgesetzt.

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