Markus Söder muss vor den Stockacher Narrengerichtshof – eine 675 Jahre alte Tradition
Hans-Gerd JunkStockacher Narren: Rush for Tickets for Söder Trial - Markus Söder muss vor den Stockacher Narrengerichtshof – eine 675 Jahre alte Tradition
Ein 675 Jahre alter Faschingsbrauch stellt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in diesem Jahr vor Gericht: der Stockacher Narrengerichtshof. Die satirische Scheinverhandlung hat für großes Aufsehen gesorgt, nachdem die Karten innerhalb weniger Stunden ausverkauft waren. Zu den früheren „Angeklagten“ zählten bereits Angela Merkel und der bayerische Politiker Franz Josef Strauß, der 1979 vor dem Tribunal stand.
Der Stockacher Narrengerichtshof gehört zu den ältesten und bekanntesten Veranstaltungen der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Seit Jahrhunderten werden hier Machtpersonen in spielerisch-theatralischer Form auf die Schippe genommen – eine Tradition, die bis ins Jahr 1349 zurückreicht und scharfsinnige Gesellschaftskritik mit Humor verbindet.
Söder wird der zweite amtierende bayerische Ministerpräsident sein, der sich dem Narrengericht stellen muss. Vor über vierzig Jahren war Strauß an der Reihe, Merkel trat 2005 als Oppositionsführerin vor das Tribunal. Die Karten für die diesjährige Sitzung waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen – die Organisatoren vergleichen den Ansturm mit dem Andrang bei einem Top-Konzert. Die Beliebtheit des Events zeigt, wie sehr die Mischung aus Satire, Spektakel und politischer Spitze das Publikum begeistert.
Die „Verhandlung“ gegen Markus Söder führt damit eine lange Tradition fort, in der mächtige Persönlichkeiten mit Augenzwinkern vorgeführt werden. Der ausverkaufte Termin unterstreicht die anhaltende Faszination des Narrengerichts als Höhepunkt der Fasnetszeit. Einen konkreten Termin haben die Veranstalter zwar noch nicht bekannt gegeben, doch ein weiteres medienwirksames Spektakel ist zu erwarten.