Mönchengladbach trotzt dem Bundestrend mit sinkenden Insolvenzzahlen und wirtschaftlichem Wandel
Martina SieringMönchengladbach trotzt dem Bundestrend mit sinkenden Insolvenzzahlen und wirtschaftlichem Wandel
Mönchengladbach verzeichnet seltenen Rückgang bei Insolvenzen – während der Rest Deutschlands mit wachsenden Finanzsorgen kämpft
Während in weiten Teilen Deutschlands die Insolvenzzahlen steigen, hat Mönchengladbach im Jahr 2024 einen ungewöhnlichen Rückgang verzeichnet. Die Stadt meldete einen Rückgang der Insolvenzverfahren um 7,8 Prozent – ein positiver Ausreißer im Regierungsbezirk Düsseldorf. Dieser Trend steht im deutlichen Kontrast zur regionalen und bundesweiten Entwicklung, wo die Unternehmensinsolvenzen allein in Nordrhein-Westfalen um bis zu 23,4 Prozent anstiegen.
Der wirtschaftliche Wandel der Stadt begann nach dem Zusammenbruch der Textilindustrie um das Jahr 2010. War dieser Sektor einst für mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze verantwortlich, so macht er heute weniger als 10 Prozent der Beschäftigung aus. Stattdessen hat Mönchengladbach eine vielfältigere Wirtschaftsstruktur aufgebaut: Logistik, Gesundheitswesen, Biotechnologie und erneuerbare Energien wachsen rasant. Neue Messeflächen und die zentrale Lage der Stadt haben die Logistikbranche gestärkt, während Forschungszentren und moderne Gesundheitsstandorte Investitionen anziehen. Kleine und mittlere Unternehmen, insbesondere aus den Bereichen Technologie und grüne Energie, tragen mittlerweile 30 Prozent zur lokalen Wirtschaft bei.
Diese Diversifizierung trägt Früchte. Die Unternehmensinsolvenzen sanken 2024 um 8,0 Prozent, die Verbraucherinsolvenzen sogar um 9,0 Prozent. In benachbarten Städten stiegen die Zahlen im gleichen Zeitraum dagegen um 6 bis knapp 19 Prozent. Bundesweit nahmen die Unternehmenspleiten um 8 bis 10 Prozent zu, mit einem besonders starken Anstieg von 23,4 Prozent in Nordrhein-Westfalen.
Stabilität entsteht auch durch kontinuierliche Politik. Der kommunale Gewerbesteuerhebesatz liegt seit 2016 konstant bei 490 Prozent und gibt Unternehmen Planungssicherheit. Gleichzeitig sollen Projekte wie der Wissens- und Innovationscampus, die Textilfabrik 7.0 und ein neuer Gewerbepark am Flughafen das künftige Wachstum sichern. Die Hochschule Niederrhein und das starke Netzwerk mittelständischer Betriebe in der Region sorgen für einen zuverlässigen Nachwuchs an Fachkräften und stützen so die lokale Wirtschaft zusätzlich.
Die Anstrengungen der Stadt finden Anerkennung: Im IW-Dynamikranking 2024, das die wirtschaftliche Entwicklung in 401 deutschen Regionen bewertet, belegte Mönchengladbach Platz 27 – ein Zeichen für seine anhaltende Widerstandsfähigkeit.
Der Wandel von der Textilstadt zu einer breiter aufgestellten Wirtschaft hat Mönchengladbach geholfen, sich gegen den Bundestrend zu behaupten. Mit sinkenden Insolvenzzahlen und wachsenden Zukunftsbranchen bietet die Stadt ein Modell für Stabilität in unsicheren Zeiten. Kontinuierliche Investitionen in Innovation und Infrastruktur deuten darauf hin, dass dieser positive Kurs anhalten wird.