04 February 2026, 06:48

NRW führt 2028 verpflichtende ABC-Kurse für Kinder mit Sprachdefiziten ein – doch die Kritik wächst

Eine Gruppe von Menschen, einige mit Taschen, geht vor einem großen weißen Gebäude mit Fenstern und Türen vorbei, umgeben von Bäumen unter einem klaren blauen Himmel, was darauf hindeutet, dass sie auf dem Weg zu einer Schule in Deutschland sind.

NRW führt 2028 verpflichtende ABC-Kurse für Kinder mit Sprachdefiziten ein – doch die Kritik wächst

Grundschulen in Nordrhein-Westfalen stehen vor neuen Herausforderungen: Ab 2028 sollen verpflichtende "ABC-Kurse" für Kinder mit Sprachdefiziten eingeführt werden. Doch während Bildungsministerin Dorothee Feller verspricht, dass kein Kind ohne ausreichende Deutschkenntnisse die Schule beginnen soll, warnen Kritiker, der Plan könnte ein bereits überlastetes System weiter belasten.

Ab 2028 müssen Kinder, die in frühen Sprachtests durchfallen, spezielle Vorschulkurse besuchen. Die "ABC-Kurse" sollen sprachliche Lücken schließen, bevor die reguläre Schulzeit beginnt. Doch der mehrmalige wöchentliche Transport der Kinder von Kitas zu Schulen könnte sich als logistische Hürde erweisen – und für Eltern wie Einrichtungen kaum umsetzbar sein.

Viele Grundschulen, etwa in Städten wie Solingen, sind bereits am Limit. Klassenzimmer und Gruppenräume sind voll belegt, manche Hortbetreuungen finden in provisorischen Containern statt. Lehrkräftemangel führt zu häufigen Ausfällen, das Personal ist überlastet.

Fachleute kritisieren, die Reform verlagere den Druck lediglich von den Kitas auf die Schulen, ohne die eigentlichen Probleme zu lösen. Sozialpädagog:innen, die ohnehin unter hohen Arbeitsbelastungen leiden, könnten mit zusätzlichen Aufgaben überfordert sein. Die Lehrergewerkschaft VBE schlägt stattdessen ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr vor – mit besserer Personalausstattung und stärkerer Unterstützung durch Hochschulen.

Für die Kommunen wird es nun zur Mammutaufgabe, Räume und qualifiziertes Personal zu finden. Ohne zusätzliche Mittel für Bauprojekte oder Planung bleiben die ABC-Kurse eine theoretische Lösung – und könnten die bestehenden Probleme eher verschärfen als zu lösen.

Ziel der Sprachkurse ist es, dass alle Kinder mit ausreichenden Deutschkenntnissen in die Schule starten. Doch ohne mehr Ressourcen drohen Schulen weitere Überlastung, mehr Personalausfälle und eine noch stärkere Belastung der ohnehin knappen Kapazitäten. Ob die Reform gelingt, hängt davon ab, ob das Land die nötige Unterstützung bereitstellt – oder ob die Pläne an der Realität scheitern.