04 February 2026, 06:49

NRW führt verpflichtende ABC-Kurse für Kinder mit Sprachdefiziten ein – doch Schulen sind überlastet

Eine Gruppe von Menschen, einige mit Taschen, geht vor einem großen weißen Gebäude mit Fenstern und Türen vorbei, umgeben von Bäumen unter einem klaren blauen Himmel, was darauf hindeutet, dass sie auf dem Weg zu einer Schule in Deutschland sind.

NRW führt verpflichtende ABC-Kurse für Kinder mit Sprachdefiziten ein – doch Schulen sind überlastet

Nordrhein-Westfalen führt verpflichtende Sprachförderung für Kinder mit Defiziten ein

Nordrhein-Westfalen führt eine verpflichtende Sprachförderung für Kinder ein, die vor der Einschulung in frühen Sprachtests durchfallen. Bildungsministerin Dorothee Feller betont, dass kein Kind die Schule ohne ausreichende Deutschkenntnisse beginnen werde. Doch der Plan stößt auf Bedenken: Schulen, die bereits an ihre Grenzen stoßen, fürchten Überlastung bei Kapazitäten, Personal und Finanzierung.

Laut der neuen Regelung müssen Kinder, die die Sprachanforderungen nicht erfüllen, vor dem Eintritt in die Grundschule spezielle "ABC-Kurse" besuchen. Ministerin Feller versichert, dass damit alle Schülerinnen und Schüler mit gleichen Chancen starten könnten. Kritiker hingegen werfen der Landesregierung vor, die Verantwortung lediglich von Kitas auf ohnehin überlastete Schulen abzuwälzen.

Vor allem in Städten wie Solingen arbeiten Grundschulen bereits am Limit: Klassenzimmer sind knapp, die Nachmittagsbetreuung findet oft in Provisorien wie Containern statt. Lehrkräftemangel führt zu häufigem Unterrichtsausfall. Die Bildungsgewerkschaft VBE warnt, dass die ABC-Kurse die Belastung des Personals weiter verschärfen könnten – insbesondere für sozialpädagogische Fachkräfte, die bereits jetzt überlastet sind und zusätzliche Sprachgruppen betreuen müssten.

Auch Kommunen melden praktische Probleme an. Mehrmalige wöchentliche Fahrten der Kinder zwischen Kita und Schule gelten als unrealistisch. Gleichzeitig stellt das Land keine zusätzlichen Mittel für Neubauten oder Personalgewinnung bereit, sodass die Gemeinden die logistischen und finanziellen Lasten tragen müssen. Offene Stellen für qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher bleiben unbesetzt und verschärfen die Personalkrise.

Zwar sollen die ABC-Kurse Sprachdefizite vor der Einschulung ausgleichen, doch die Umsetzung steht vor großen Herausforderungen. Ohne zusätzliche Ressourcen drohen Schulen eine weitere Überlastung von Personal und Infrastruktur. Der Erfolg des Vorhabens hängt davon ab, ob die bisher ungelösten Fragen zu Finanzierung, Räumen und Personalrekrutierung geklärt werden.