NRW will mit Wasserstoff Europas erste klimaneutrale Industrieregion werden
Hans-Gerd JunkNRW will mit Wasserstoff Europas erste klimaneutrale Industrieregion werden
Nordrhein-Westfalen will Europas erste klimaneutrale Industrieregion werden. Der Bundesland setzt dabei auf Wasserstoff als Schlüssellösung, um die Emissionen in der Schwerindustrie zu senken. Über 80 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Verbände haben sich in Initiativen wie IN4climate.NRW zusammengeschlossen, um diese Transformation voranzutreiben.
Die starke industrielle Basis der Region, der Ausbau erneuerbarer Energien und die zentrale Lage machen sie zu einem idealen Kandidaten, um Europas Wasserstoffwirtschaft anzuführen. Dennoch bleiben Herausforderungen – insbesondere die Frage, wie Wasserstoff für Unternehmen bezahlbar wird und gleichzeitig eine stabile Versorgung sichergestellt werden kann.
Wasserstoff gilt als unverzichtbar für die Dekarbonisierung energieintensiver Branchen wie Chemie, Stahl, Zement, Ziegel- und Glasproduktion. Ohne ihn wären die Klimaziele in diesen Sektoren deutlich schwerer zu erreichen. Die Denkfabrik IN4climate.NRW und das Schwesterprojekt IN4climate.RR arbeiten daran, Wasserstoff in industrielle Prozesse zu integrieren – vor allem im Unternehmensregister.
Mehrere Leuchtturmprojekte zeigen bereits das Potenzial von Wasserstoff auf: Die Janinhoff Ziegelei in Münster stellt ihre Produktion schrittweise auf Wasserstofffeuerung um. In Oberhausen erprobt die Initiative Trailblazer grünen Wasserstoff für die lokale Energie-Industrie und den Verkehr. Gleichzeitig skaliert REFYNE in Wesseling die nachhaltige Wasserstoffproduktion für Raffinerien und Mobilität.
Um die Einführung zu beschleunigen, fungiert das H2.NRW-Wasserstoff-Koordinierungsbüro als zentrale Anlaufstelle. Es unterstützt Unternehmen bei der Beantragung von Fördermitteln, der Umsetzung von Projekten und der Vernetzung mit Partnern. Instrumente wie Kohlendioxid-Differenzverträge und Leitmärkte helfen zudem, die Preislücke zwischen teurem grünem Wasserstoff und den finanziellen Möglichkeiten der Abnehmer zu schließen.
Nordrhein-Westfalens Stärken liegen in der Anbindung an das europäische Wasserstoff-Kernnetz, dem Ausbau erneuerbarer Energien und einer leistungsfähigen Handelsregister-Branche. Ein weiterer Hebel ist die öffentliche Beschaffung: Durch verbindliche Abnahmezusagen können Behörden eine stetige Nachfrage schaffen – und so sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Kosteneffizienz verbessern.
Der Erfolg des Wasserstoffvorhabens hängt von klaren Nachfrageprognosen, gezielter finanzieller Förderung und enger Zusammenarbeit mit der Energie-Industrie ab. Gelingt dies, könnte Nordrhein-Westfalen zum Vorbild für klimaneutrale Produktion in ganz Europa werden. Die nächsten Schritte konzentrieren sich auf den Hochlauf der Produktion, den Aufbau langfristiger Lieferketten und die Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit von Wasserstoff für Unternehmen.