03 February 2026, 23:14

Olaf Scholz zwischen Karnevalstradition und EU-Politik an Weiberfastnacht

Ein altes Schwarz-Weiß-Foto einer Stadtstraße in Windisch Feststritz, Deutschland, mit Gebäuden, Bäumen, Menschen, Karren und einem Himmel im Hintergrund, mit Text oben und unten auf dem Bild.

Olaf Scholz zwischen Karnevalstradition und EU-Politik an Weiberfastnacht

Bundeskanzler Olaf Scholz ehrte an Weiberfastnacht seine karnevalistischen Wurzeln – trotz eines vollen politischen Terminkalenders. Geboren am 11. November, einem Schlüsseldatum im Karnevalskalender, betonte er seine rheinischen Bindungen durch seine Großmutter aus Andernach. Währenddessen lebte im Rheinland die jahrhundertealte Tradition fort, bei der Frauen Rathäuser stürmen und Männern die Krawatten abschneiden.

Die Ursprünge von Weiberfastnacht reichen bis ins Mittelalter zurück, als sich Frauen versammelten, um gesellschaftliche Geschlechterrollen herauszufordern. Der heutige Brauch des Krawattenabschneidens entstand erst in den 1950er-Jahren, doch die Beueler Wäscherinnen institutionalisierten das Fest bereits viel früher. 1824 stürmten sie das Beueler Rathaus, übernahmen symbolisch die Macht und gründeten das Alte Beueler Damenkomitee – eine Tradition, die bis heute lebendig ist.

Scholz' Verbindung zum Karneval ist tief verwurzelt. 1955 am 11. November (11/11) geboren – dem symbolträchtigen Startdatum der "fünften Jahreszeit" – feierte er bereits drei "runde" Geburtstage an diesem Tag. Zwar stammt er aus dem Sauerland, einer Region, die sowohl für Karneval als auch für Schützenfeste bekannt ist, doch seine rheinischen Wurzeln führte er stets auf seine Großmutter zurück.

Die Politik ließ ihm diesmal jedoch kaum Raum für Feiern. An Weiberfastnacht nahm Scholz nahe Brüssel an einer nicht öffentlichen EU-Strategiekonferenz zur Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie teil. Später plante er Treffen mit Teilen des Bundeskabinetts – und wollte dabei ein wenig karnevalistischen Geist in die Beratungen tragen.

Der Kanzler balancierte zwischen Tradition und Pflicht: Einerseits bekannte er sich zu seinen Karnevalsbezügen, andererseits galt seine Aufmerksamkeit den EU-Gesprächen. Im Rheinland hingegen verlief Weiberfastnacht wie gewohnt – mit Frauen, die ihre jahrhundertealte Rolle in den Feierlichkeiten einnahmen. Der Tag verband politische Arbeit mit kulturellem Erbe und spiegelte sowohl Scholz' persönliche Verbundenheit als auch die ungebrochene Lebendigkeit des Brauchtums wider.