Opernhäuser tauschen Hochkultur gegen Lifestyle und Influencer-Marketing
Martina SieringOpernhäuser tauschen Hochkultur gegen Lifestyle und Influencer-Marketing
Große Opernhäuser ändern ihre Strategie, wie sie ihre Veranstaltungen in den sozialen Medien bewerben. Statt den Fokus auf die Kunst selbst zu legen, setzen viele nun auf Lifestyle-Inhalte, um neues Publikum anzusprechen. Auf Instagram dominieren Drinks, Mode und Kooperationen mit Influencern – Diskussionen über Musik oder Philosophie rücken in den Hintergrund.
Das Festspielhaus Baden-Baden verbindet auf seinem Instagram-Account klassische Musik mit lässigem Gesellschaftsleben. Im Mittelpunkt steht das Motto „Klassik und Spritz“, wobei die Moderatoren bewusst trendig auftreten, um die Interaktion mit den Followern zu fördern.
An der Staatsoper Berlin spielt BMW eine zentrale Rolle als Sponsor. Ein Mitarbeiter des Automobilherstellers begrüßt die Zuschauer aus dem Berliner Motorradwerk des Konzerns und verweist dabei häufig auf die PS-starken Modelle der Marke. Direktorin Elisabeth Sobotka bedankt sich regelmäßig in Posts beim Sponsor. Zudem ist der neue Bassa in Die Entführung aus dem Serail, Bülent Ceylan, zu sehen, der mit Sprüchen wie „Wie geil ist Oper!“ für die Vorstellungen wirbt.
Der bekannte Opern-Influencer Opera Bert taucht auf den Instagram-Seiten mehrerer Häuser auf. Junge Moderatoren bewerben Drinks, Dresscodes und „Überlebenstipps“ für den Opernbesuch. Die Wiener Staatsoper setzt mit Hemma und Jakob auf ein Konzept, das Oper entweder als Spielwiese oder als großes Diner-Erlebnis inszeniert.
Ganz anders verhält sich die Bayerische Staatsoper: Ihr Auftritt bleibt traditionell. Die Posts widmen sich weiterhin Wagner, Orchestergesprächen und philosophischen Themen.
Opernhäuser setzen zunehmend auf Lifestyle- und Influencer-Marketing, um neue Zielgruppen zu erreichen. Sponsoren wie BMW profitieren von der Sichtbarkeit, während die klassische Musik hinter Drinks und gesellschaftlichen Trends zurücktritt. Der Wandel spiegelt den Versuch wider, Oper zugänglicher und unterhaltsamer zu gestalten.
