Pharmariese zwischen Roundup-Prozess und Kerendia-Erfolg: Die entscheidende Wende 2026
Hans-Gerd JunkPharmariese zwischen Roundup-Prozess und Kerendia-Erfolg: Die entscheidende Wende 2026
Ein großer Pharma- und Agrarkonzern steht vor einem entscheidenden Jahr, in dem rechtliche Herausforderungen und medizinische Durchbrüche im Mittelpunkt stehen. Am 1. April 2026 wird der Oberste Gerichtshof der USA mündliche Verhandlungen über Warnhinweise für das Unkrautvernichtungsmittel Roundup führen – zeitgleich mit der Hauptversammlung des Unternehmens. Unterdessen zeigt das Medikament Kerendia vielversprechende Ergebnisse bei einer neuen Patientengruppe, was den Aktienkurs um 4,71 % auf 40,25 Euro steigen ließ.
Die finanziellen Schwierigkeiten des Konzerns verschärften sich 2025: Mit einem Nettoverlust von 3,6 Milliarden Euro und einer Nettoverschuldung von fast 30 Milliarden Euro belasteten hohe Prozesskosten aus den Roundup-Klagen die Bilanz schwer. Dennoch blieb die Pharmasparte stabil – angetrieben durch frühere Zulassungen für Kerendia (Finerenon). Seit 2021 ist das Präparat von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassen, um bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung (CKD) das Risiko für kardiovaskulären Tod, Krankenhausaufenthalte wegen Herzinsuffizienz und Nierenfunktionsverschlechterung zu verringern. Im Juli 2025 wurde die Anwendung auf Herzinsuffizienz-Patienten mit erhaltener Ejektionsfraktion ausgeweitet.
Eine Phase-III-Studie, FIND-CKD, lieferte im März 2026 zentrale Erkenntnisse. Anders als frühere Untersuchungen konzentrierte sie sich auf CKD-Patienten ohne Diabetes. Kerendia bremste den Krankheitsverlauf im Vergleich zur Standardtherapie deutlich – ein Beleg für seine Sicherheit und ein erweitertes Anwendungspotenzial. Das Unternehmen plant nun, für diese neue Indikation die FDA-Zulassung zu beantragen, was den Zugang zu einem deutlich größeren Markt eröffnen könnte.
Doch die rechtlichen Risiken bleiben bestehen. Investoren beobachten zwei zentrale Entwicklungen in den USA: den Supreme-Court-Prozess zu den Roundup-Warnhinweisen, dessen Urteil bis Mitte Juni 2026 erwartet wird, sowie eine Regierungsverordnung zur Sicherung der Glyphosat-Versorgung. Ein günstiges Gerichtsurteil in Kombination mit dem Erfolg von Kerendia könnte die finanzielle Belastung mindern und den Start von zehn geplanten Blockbuster-Medikamenten im kommenden Jahrzehnt unterstützen.
Auf der Hauptversammlung am 1. April stimmen die Aktionäre über eine vorgeschlagene Dividende von 0,11 Euro pro Aktie ab. Das Ergebnis könnte Vertrauen – oder Zurückhaltung – angesichts der gemischten Unternehmenslage widerspiegeln.
Die nächsten Monate werden wegweisend für die Zukunft des Konzerns sein. Ein Sieg vor dem Supreme Court in der Roundup-Frage und eine FDA-Zulassung für die erweiterte Anwendung von Kerendia könnten die Finanzen stabilisieren und das Investorenvertrauen stärken. Da die Aktie bereits auf die klinischen Fortschritte reagiert hat, wird sich zeigen, ob rechtliche Risiken oder medizinische Erfolge den langfristigen Kurs des Unternehmens prägen werden.