Proteste gegen Honorarkürzungen: NRW-Psychotherapeuten kämpfen um faire Bezahlung und Patientenversorgung
Hans-Gerd JunkProteste gegen Honorarkürzungen: NRW-Psychotherapeuten kämpfen um faire Bezahlung und Patientenversorgung
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Nordrhein-Westfalen (NRW) bereiten sich auf Proteste gegen geplante Honorarkürzungen vor. Ab dem 1. April 2026 werden die Krankenkassen die Erstattungssätze für Therapiesitzungen um 4,5 Prozent senken. Die Maßnahme löst Befürchtungen aus, dass sich der Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung in der Region und darüber hinaus weiter verschlechtern könnte.
Die Psychotherapeutenkammer NRW warnt, dass die Gebührenkürzung noch mehr Therapeuten dazu veranlassen könnte, Privatpatienten gegenüber gesetzlich Versicherten zu bevorzugen. Bereits jetzt müssen Kassenpatienten in NRW im Schnitt fünf Monate auf einen Ersttermin warten. Sollten sich noch mehr Therapeuten aus der gesetzlichen Versorgung zurückziehen, könnten sich diese Wartezeiten weiter verlängern.
Der Mangel an kassenärztlichen Psychotherapie-Plätzen – den sogenannten Kassensitzen – verschärft die Situation zusätzlich. Deutschlandweit fehlen schätzungsweise 7.000 solche Zulassungen, wobei ländliche Regionen besonders betroffen sind, da die Bedarfsberechnungen auf veralteten Daten aus den 1990er-Jahren basieren. Die Übernahme eines Kassensitzes kann bis zu 50.000 Euro kosten – eine Hürde, die viele Nachwuchskräfte davon abhält, in das System einzusteigen.
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verdienen ohnehin weniger als jede andere Fachärztgruppe in Deutschland. Die geplanten Kürzungen drohen die Kluft zwischen privater und gesetzlicher Versorgung weiter zu vertiefen. Gegen die Veränderungen wird es am Donnerstag in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Bielefeld Proteste geben.
Die Honorarsenkung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das System bereits mit langen Wartezeiten und einem eklatanten Therapeutenmangel kämpft. Wenn die Anreize, Kassenpatienten zu behandeln, weiter sinken, könnte sich die Versorgungslücke in der psychotherapeutischen Behandlung noch weiter vergrößern. Die Psychotherapeutenkammer hat deutlich gemacht: Ohne Gegenmaßnahmen drohen Qualität und Verfügbarkeit der Therapien in ganz NRW zu leiden.






