RAW-Gelände in Berlin: Kultstandort vor dem Aus nach gescheiterten Verhandlungen
Egbert PeukertRAW-Gelände in Berlin: Kultstandort vor dem Aus nach gescheiterten Verhandlungen
Die Zukunft des Berliner Kultstandorts RAW steht auf der Kippe – nach fast elf Jahren festgefahrener Verhandlungen. Der Eigentümer, die Kurth Group, erklärte die Planungen für gescheitert und forderte die langjährigen Mieter, darunter den Club Cassiopeia, auf, die Räumlichkeiten bis Ende des Monats zu räumen.
Jahre lang galt das RAW-Gelände in Friedrichshain als kulturelles Wahrzeichen, das in Reiseführern als Symbol des wiedervereinigten Berlins gefeiert wird. Noch am vergangenen Samstagabend pulsierte der Ort vor Leben: Bei einer öffentlichen Übertragung eines Fußballspiels war der Andrang groß.
2022 schien ein Durchbruch in den Verhandlungen möglich, der eine langfristige kulturelle Sicherung des Geländes in Aussicht stellte – doch eine Einigung blieb aus. 2023 nahmen der Bezirk und die Kurth Group die Gespräche wieder auf, mit dem Ziel, bis Mai eine Lösung zu finden. Doch der Bezirk verweigerte vorzeitige Baugenehmigungen, was zu weiteren Verzögerungen führte.
In diesem Jahr brach die Kurth Group die Verhandlungen schließlich ganz ab. Das Unternehmen kritisierte den jüngsten Rahmenvertrag des Bezirks als „einseitig“ und warf der Verwaltung vor, frühere Absprachen zu untergraben und lediglich Berlins Interessen zu dienen. Stattdessen kündigte die Gruppe an, auf dem Gelände gewinnbringende Wohnungen errichten zu wollen.
Florian Falkenhagen, Geschäftsführer von Cassiopeia, zeigte sich schockiert über die plötzliche Räumungsaufforderung. Trotz pünktlich gezahlter Mieten habe die Kurth Group die Räumung innerhalb weniger Wochen mündlich verfügt – eine beispiellose Zuspitzung, so Falkenhagen.
Die Zukunft des RAW-Geländes ist nun ungewiss: Zwischen kulturellem Erbe und kommerzieller Bebauung schwankend, müssen Mieter wie Cassiopeia umziehen, während Bezirk und Eigentümer weiter uneins über das weitere Vorgehen sind.






