RAW-Gelände in Berlin: Kultur gegen Wohnungsbau – der Streit eskaliert
Klaus-Michael JopichRAW-Gelände in Berlin: Kultur gegen Wohnungsbau – der Streit eskaliert
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes steht auf dem Spiel. Der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen der Kurth-Gruppe, dem Senat und dem Bezirk dreht sich um die Frage, wie viele Wohnungen gebaut werden sollen – und ob die historischen Hallen erhalten bleiben, in denen Clubs und kulturelle Einrichtungen untergebracht sind.
Der Streit zieht sich bereits seit über einem Jahrzehnt hin. Im Kern geht es um den Spagat zwischen dringend benötigtem Wohnraum und dem Erhalt der lebendigen Kulturszene, die das Gelände prägt. Das ehemalige Reichsbahn-Ausbesserungswerk beherbergt heute Konzertlocations, einen Biergarten, eine Skatehalle, eine Boulderhalle, Lagerhallen, einen Weihnachtsmarkt und einen Flohmarkt.
Im Januar beantragte die Kurth-Gruppe ein beschleunigtes Baugenehmigungsverfahren, um mit dem Wohnungsbau beginnen zu können. Senat und Bezirk lehnten diesen Antrag Mitte Mai ab. Sie werfen dem Eigentümer vor, sich Verhandlungen zu verweigern – und damit die soziokulturelle Zukunft des RAW-Geländes zu gefährden.
Die Proteste haben bereits begonnen. Dutzende versammelten sich vor den Büros der Kurth-Gruppe mit dem Spruch „RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben“. Eine Petition, in der das Unternehmen zum Einlenken und zu weiteren Gesprächen aufgefordert wird, soll an diesem Freitag dem Senat übergeben werden. Einige Mieter, darunter der Club Cassiopeia, haben bereits Räumungsklagen erhalten – der Club könnte schon in der kommenden Woche geräumt werden.
Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht. Während Senat und Bezirk auf den Erhalt der Kulturstätten pochen, drängt die Kurth-Gruppe auf eine Bebauung. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Verhandlungen wiederaufgenommen werden – oder ob weitere Räumungen folgen.
