Regionalbahn in Deutschland: Finanzkrise droht mit Streichungen und Pleiten
Klaus-Michael JopichRegionalbahn in Deutschland: Finanzkrise droht mit Streichungen und Pleiten
Deutschlands Regionalbahnnetz steht unter wachsendem Finanzdruck. Steigende Kosten und veraltete Fördermodelle haben einige Betreiber an den Rand des Kollapses gebracht. Aktuelle Rechtsstreitigkeiten und politische Weichenstellungen könnten nun die Zukunft des lokalen Schienenverkehrs im ganzen Land prägen.
Die heutigen Probleme begannen 1994, als die deutsche Bundes- und Landesbahn in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Die Regionalverkehrsleistungen gingen in die Verantwortung der Bundesländer über, doch die Finanzierung hielt mit der Inflation nicht Schritt. Seither kämpfen die Betreiber mit wachsenden Fixkosten – darunter verpflichtende Trassenentgelte für jede Zugfahrt auf bundeseigener Infrastruktur.
2021 meldete Abellio, eine Tochter der niederländischen Staatsbahn, für ihren deutschen Geschäftsbereich Insolvenz an – nach Jahren finanzieller Belastung. Kürzlich strich der private Anbieter National Express die Verbindung Aachen–Hamm abrupt, mit Verweis auf nicht mehr tragbare Kostensteigerungen. Busse hingegen bleiben von ähnlichen Gebühren befreit und haben damit einen klaren Kostenvorteil gegenüber der Schiene.
Die Krise hat Reformforderungen laut werden lassen. Der Europäische Gerichtshof soll bis Mitte 2026 über die Rechtmäßigkeit einer Deckelung der Trassenentgelte für Regionalverkehre entscheiden. Parallel wurde das Deutschland-Ticket – ein bundesweites Flatrate-Reiseticket – bis 2030 gesichert, mit inflationsgebundenen Preisanpassungen ab 2027.
Derzeit beschaffen und verleasen staatliche Unternehmen Fahrzeuge an private Betreiber. Ohne weitere finanzielle Unterstützung drohen jedoch weitere Streichungen oder Insolvenzen. Die Zukunft des Regionalbahnsektors hängt nun von anstehenden Gerichtsentscheidungen und politischen Kurskorrekturen ab. Bleiben die Trassengebühren hoch und die Finanzierungslücken bestehen, könnten weitere Streichungen oder Betreiberpleiten folgen. Die Verlängerung des Deutschland-Tickets bringt zwar etwas Stabilität – doch für einen zuverlässigen lokalen Schienenverkehr braucht es langfristige Lösungen.






