06 January 2026, 10:51

Sozialkarte statt Bargeld: NRW testet neues System für Asylbewerber

Eine Gruppe von Menschen, die jeweils eine ID-Karte tragen, mit einem Plakat im Hintergrund.

Sozialkarte statt Bargeld: NRW testet neues System für Asylbewerber

Neues Zahlungssystem für Asylsuchende: Sozialkarte ersetzt Bargeld in Teilen von Nordrhein-Westfalen

In Teilen Nordrhein-Westfalens wird ein neues Zahlungssystem für Asylbewerber eingeführt. Die sogenannte "Sozialkarte" ersetzt Bargeldleistungen durch eine vorbelastete Visa-Prepaidkarte und soll so den Verwaltungsaufwand für Geflüchtete und Kommunen verringern. Der Kreis Coesfeld ist die erste Region, die das System einführt – doch viele andere zögern noch.

In Coesfeld erhalten alle Asylsuchenden ihre monatlichen staatlichen Leistungen künftig nicht mehr in bar, sondern auf einer Prepaidkarte. Diese funktioniert wie eine herkömmliche Visa-Karte und ermöglicht Zahlungen überall dort, wo Kartenzahlungen akzeptiert werden. Allerdings gelten strenge Beschränkungen: Bargeldabhebungen sind auf 50 Euro pro Monat begrenzt, und Auslandsüberweisungen sind komplett gesperrt.

Die erste Phase der Einführung läuft bereits in Ascheberg, wo jeder Geflüchtete vor Erhalt der Karte an einer einstündigen Beratung teilnehmen muss. Bis März 2026 sollen alle Asylbewerber in der Gemeinde die Karte nutzen. Auch andere Kommunen im Kreis Coesfeld bereiten sich darauf vor, das System in den kommenden Monaten zu übernehmen. Doch in der gesamten Region gibt es weiterhin starken Widerstand. Nur jede dritte Kommune in Nordrhein-Westfalen plant die Einführung der Sozialkarte – viele verweisen auf Bedenken wegen des zusätzlichen Arbeitsaufwands oder zweifeln die versprochenen Kosteneinsparungen an. Münster hat das System bereits kategorisch abgelehnt, und abgesehen von Ascheberg hat keine weitere Stadt oder Gemeinde konkrete Pläne für eine Übernahme bekannt gegeben.

Die Sozialkarte gibt den lokalen Behörden mehr Kontrolle darüber, wofür die Leistungen ausgegeben werden. Durch die Begrenzung von Bargeld und die Sperre von Auslandsüberweisungen soll das System Zahlungen effizienter gestalten und Missbrauch erschweren. Ob sich das Modell durchsetzt, hängt maßgeblich davon ab, wie erfolgreich es in Coesfeld umgesetzt wird.