Spektakulärer Bankraub in Gelsenkirchen: Wie Diebe 3.250 Schließfächer leerten und ungestört entkamen
Martina SieringKriminalermittler fordern Kontrollmechanismen für Schließfächer - Spektakulärer Bankraub in Gelsenkirchen: Wie Diebe 3.250 Schließfächer leerten und ungestört entkamen
Ein spektakulärer Bankraub in Gelsenkirchen hat die Debatte über die Sicherheit von Schließfächern neu entfacht. Im Dezember 2022 bohrten Diebe sich in den Tresor einer Sparkassen-Filiale und räumten fast alle 3.250 Kundenfächer aus. Nun stellen Polizei und Rechtsexperten die Frage, ob strengere Regeln solche Straftaten verhindern könnten – und gleichzeitig die Geldwäsche erschweren würden.
Der Coup erstreckte sich über mehrere Tage, bevor er am 29. Dezember entdeckt wurde, als ein Feueralarm die Behörden alarmierte. Die Täter waren in einen Archivraum eingedrungen, hatten ein großes Loch in den Tresor gebohrt und nahezu jedes Fach geleert. Mehr als ein Jahr später ist der oder die Täter weiterhin unbekannt und auf freiem Fuß.
Banken haben derzeit keine Möglichkeit nachzuvollziehen, was Kunden in ihren Schließfächern lagern. Oliver Huth, Landesvorsitzender der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Nordrhein-Westfalen, warnt, dass diese mangelnde Kontrolle es jedem ermöglicht, Bargeld oder andere Vermögenswerte unbeobachtet zu verstecken. Er verwies auf einen Fall, in dem eine Kindergärtnerin 300.000 Euro in einem Fach aufbewahrte – ein Beispiel dafür, dass selbst scheinbar unauffällige Personen große Summen ohne plausible Erklärung horten könnten. Huth räumt ein, dass einige Mieter legitime Opfer sein könnten, die etwa Familienerbstücke verwahren. Doch er betont, dass Bargeld niemals in solchen Fächern aufbewahrt werden sollte, da dies organisierter Kriminalität Vorschub leisten könnte. Ein Anwalt, der betroffene Kunden vertritt, widersprach den Vorwürfen und argumentierte, dass Beweise zeigten, dass viele Fachinhaber ihre Gegenstände legal besäßen.
Die Diskussion flammt auf, während die sechste EU-Geldwäscherichtlinie Schließfächer vollständig unreguliert lässt. Die BDK drängt nun auf schärfere Kontrollen, um eine zentrale Lücke in der Finanzaufsicht zu schließen.
Der Raub in Gelsenkirchen legte eklatante Schwächen in der Sicherung von Schließfächern offen. Da es keine gesetzliche Pflicht gibt, deren Inhalt zu überwachen, befürchten die Behörden, dass diese Tresore ein blinder Fleck für Geldwäsche bleiben könnten. Die Forderungen nach Reformen werden lauter – doch bisher gibt es keine neuen Vorschriften.