Streit um Arbeitszeiterfassung: GEW NRW fordert klare Regeln für Lehrkräfte
Martina SieringStreit um Arbeitszeiterfassung: GEW NRW fordert klare Regeln für Lehrkräfte
In Nordrhein-Westfalen ist ein Streit über Pläne zur Erfassung der Arbeitszeiten von Lehrkräften entbrannt. Die Gewerkschaft GEW NRW kritisierte Bildungsministerin Dorothee Feller scharf, nachdem diese die verpflichtende Zeiterfassung als ein "schwieriges Thema" bezeichnet hatte. Die Gewerkschaftsführung argumentiert, die Maßnahme sei rechtlich vorgeschrieben und notwendig, um Fairness und Gesundheitsschutz zu gewährleisten.
Bildungsministerin Dorothee Feller deutete an, dass die Arbeitszeiterfassung zu strengeren Präsenzpflichten führen könnte – selbst in den Schulferien. Sie stellte den Vorschlag eher als Quelle der Verunsicherung für Lehrkräfte dar denn als Lösung.
Die GEW NRW wies Fellers Aussagen entschieden zurück. Ayla Çelik, Landesvorsitzende der Gewerkschaft, betonte, die Zeiterfassung sei "kein Privileg", sondern eine gesetzliche Verpflichtung. Sie unterstrich deren Bedeutung für den Gesundheitsschutz der Lehrkräfte und für Transparenz – nicht als Einschränkung ihrer Freiheit. Çelik verwies darauf, dass ein großer Teil der Arbeitsbelastung von Lehrkräften außerhalb der Schule anfalle. Flexible, ortsunabhängige Arbeitszeitrechner seien daher unerlässlich, um unbezahlte Überstunden korrekt abzubilden. Die Gewerkschaft widersprach zudem Fellers Behauptung, vollbeschäftigte Lehrkräfte seien nicht überlastet, und berief sich auf Studien, die das Gegenteil belegen. Die GEW NRW forderte eine offene Debatte über Arbeitsbelastung, Ressourcen und Entlastungsmaßnahmen. Çelik machte deutlich, dass die Landesregierung als Arbeitgeberin Verantwortung tragen müsse, um das Bildungspersonal wertzuschätzen und zu unterstützen. Sie bestand darauf, dass die Arbeitszeitrechner keine politische Forderung, sondern eine längst fällige rechtliche Pflicht sei.
Die Diskussion zeigt den Konflikt zwischen den Umsetzungsbedenken des Ministeriums und dem gewerkschaftlichen Drängen auf Gerechtigkeit. Da die Landesregierung noch keine klare Position bezogen hat, bleibt für Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen ungewiss, ob ihre Arbeitszeiten künftig offiziell erfasst werden. Die Gewerkschaft pocht weiterhin auf die Einhaltung der bestehenden gesetzlichen Vorgaben für den Arbeitszeitrechner.