Studie enthüllt jahrelanges Vertuschen von Missbrauch im Erzbistum Paderborn
Klaus-Michael JopichStudie klärt sexuellen Missbrauch in der Erzdiözese Paderborn - Studie enthüllt jahrelanges Vertuschen von Missbrauch im Erzbistum Paderborn
Eine neue unabhängige Studie hat schwerwiegende Versäumnisse bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen durch die katholische Kirche in Deutschland aufgedeckt. Dem Bericht zufolge schützten Kardinäle im Erzbistum Paderborn wiederholt Täter, während sie Opfer ignorierten. Die Erkenntnisse sind Teil einer umfassenderen Initiative der Kirche, die mit Untersuchungen, Entschuldigungen und neuen Hilfsangeboten für Betroffene vergangenes Unrecht aufarbeiten will.
Die Studie untersuchte das Erzbistum Paderborn im Zeitraum von 1941 bis 2022 und umfasste die Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt. Die Forscher stellten fest, dass beide Kardinäle systematisch Missbrauchstäter vor Konsequenzen bewahrten. Gleichzeitig zeigten sie kaum Mitgefühl für die Leidtragenden und ließen die Opfer ohne angemessene Unterstützung zurück.
In einer zweiten Phase wird sich die Untersuchung nun auf Hans-Josef Becker konzentrieren, den emeritierten Erzbischof, der das Bistum von 2002 bis 2022 leitete. Ursprünglich sollte der Bericht bereits früher veröffentlicht werden, doch die Veröffentlichung verschob sich auf 2026. Die Verzögerungen ergaben sich durch die COVID-19-Pandemie sowie das unerwartet große Umfang der im Zuge der Ermittlungen entdeckten Quellenmaterialien.
Auch andere Teile der deutschen Kirche haben Schritte unternommen, um Missbrauch aufzuarbeiten. Das Bistum Würzburg richtete im Oktober 2025 ein Prozessteam ein, das fehlerhaft behandelte Fälle überprüfen soll. Der ehemalige Bischof Hofmann entschuldigte sich in einer Videobotschaft öffentlich, räumte Versäumnisse bei der Bearbeitung von Vorwürfen ein und kündigte Pläne für eine Stiftung zur Unterstützung von Opfern an. Unterdessen leiteten die Salesianer Don Boscos eine eigene Untersuchung zu Missbrauchsvorfällen zwischen 1945 und 2023 ein, um den Kinderschutz zu stärken. Die Deutsche Franziskanerprovinz hat ebenfalls eine unabhängige Studie in Auftrag gegeben, die ihre Rolle bei sexualisierter Gewalt aufarbeiten soll.
Die Ergebnisse verdeutlichen systemische Versäumnisse der Kirche im Umgang mit Missbrauch über Jahrzehnte hinweg. Mehrere Bistümer und Orden haben inzwischen Untersuchungen eingeleitet, Entschuldigungen ausgesprochen und Unterstützungsprogramme für Betroffene aufgelegt. Die vollständige Studie zum Erzbistum Paderborn soll 2026 erscheinen, wobei die jüngere Führungsebene noch einer weiteren Prüfung unterzogen wird.






