Tarifstreit im NRW-Nahverkehr eskaliert: Ver.di droht mit Arbeitskampfmaßnahmen
Klaus-Michael JopichTarifstreit im NRW-Nahverkehr eskaliert: Ver.di droht mit Arbeitskampfmaßnahmen
Die erste Runde der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr Nordrhein-Westfalens endete am 21. Januar 2023 ergebnislos. Die Arbeitgeber legten kein formelles Angebot vor, sodass zentrale Forderungen der Gewerkschaften unberücksichtigt blieben. Die Verhandlungsführer zeigten sich frustriert, da keine Fortschritte erzielt wurden.
Die Gewerkschaft Ver.di, die die Gespräche führt, forderte grundlegende Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Dazu gehörten eine verkürzte Arbeitswoche bei vollem Lohnausgleich, eine garantierte elfstündige Ruhepause zwischen den Schichten sowie ein Sonntagszuschlag von mindestens 40 Prozent. Zudem verlangten die Beschäftigten acht bezahlte Freistellungstage pro Jahr für Gewerkschaftsarbeit und die Ausweitung des Tarifvertrags auf kurzfristig Beschäftigte und Minijobber.
Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand die Entlastung der Arbeitsbelastung durch bessere Zeitplanung – nicht Gehaltserhöhungen, da die Löhne bereits an die bestehenden TVöD-Regelungen des öffentlichen Dienstes gekoppelt sind. Ver.di-Landesgeschäftsführer Frank Bethke nahm an den Gesprächen teil, zeigte sich jedoch enttäuscht über die ausbleibenden Zugeständnisse. Die Arbeitgeber kündigten stattdessen an, im nächsten Treffen Gegenvorschläge vorzulegen. Da keine Einigung in Sicht ist, kündigte Ver.di an, die Beschäftigten bald über mögliche nächste Schritte zu informieren. Die Gewerkschaft schloss weitere Arbeitskampfmaßnahmen nicht aus, sollten die Verhandlungen weiterhin stocken. Die Branche leidet seit Jahren unter unzumutbaren Arbeitsbelastungen und einem wachsenden Fachkräftemangel, was die Dringlichkeit des Konflikts unterstreicht.
Das Scheitern der Gespräche lässt die Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr Nordrhein-Westfalens weiter in Unsicherheit zurück. Die Arbeitgeber müssen nun Gegenforderungen erarbeiten, bevor die nächste Verhandlungsrunde beginnt. Bis dahin bleibt die Gefahr von Streiks und weiteren Beeinträchtigungen bestehen.