11 February 2026, 02:33

Tönnies schützt Landwirte mit neuem Versicherungssystem vor Tierseuchen-Risiken

Ein Plakat mit Text, der die Animals Order Notice unter dem Contagious Diseases Animals Act, 1878, für Schweinepest im County of Wilts ankündigt.

Tönnies schützt Landwirte mit neuem Versicherungssystem vor Tierseuchen-Risiken

Deutschlands größter Fleischproduzent Tönnies führt neues Versicherungssystem ein, um Landwirte vor Tierseuchen-Schäden zu schützen. Der größte Fleischproduzent Deutschlands, Tönnies, hat ein neues Versicherungskonzept eingeführt, um Landwirte vor finanziellen Verlusten durch Tierseuchenausbrüche abzusichern. Der Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Afrikanische Schweinepest (ASP) weiterhin die Nutztierbestände der Bundesländer bedroht – aktuelle Fälle in Nordrhein-Westfalen sorgen branchenweit für Besorgnis. Gleichzeitig hat das Unternehmen seine Einkaufsbedingungen überarbeitet, um die Krankheitskontrollen an den Anlieferungsstellen zu verschärfen.

Der neu geschaffene "Haftungsschutzschirm" tritt sofort für alle Landwirte in Kraft, die Tiere an Tönnies liefern. Er greift, wenn herkömmliche Versicherungen keine Deckung für Verluste durch Seuchen wie die Afrikanische Schweinepest bieten – eine hochansteckende und meist tödlich verlaufende Krankheit, die die Keulung befallener Bestände erfordert. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) begrüßt die Initiative als "entscheidenden Schritt", um existenzbedrohende Risiken für Landwirte und Händler zu verringern und gleichzeitig die Rechtssicherheit bei Schadensersatzforderungen zu erhöhen.

Aktuell trägt Tönnies die Kosten für die Versicherung selbst, plant jedoch, diese langfristig auf die Lieferanten umzulegen. Schätzungen zufolge wird der zusätzliche Aufwand im niedrigen zweistelligen Cent-Bereich pro Tier liegen. Zudem hat das Unternehmen seine Verträge angepasst: Lieferanten müssen künftig bestätigen, dass zum Zeitpunkt der Anlieferung keine meldepflichtigen Tierkrankheiten vorliegen.

Allein in diesem Jahr verarbeitete Tönnies in seinen acht deutschen Schlachthöfen 13,2 Millionen Schweine und 400.000 Rinder. Dennoch ist die Zahl der direkten Vertragspartner deutlich geschrumpft – von einst über 10.000 registrierten Lieferanten auf heute nur noch 200 bis 300 vertraglich gebundene Landwirte. Dies spiegelt die bundesweite Konsolidierung wider. Die Notwendigkeit strengerer Kontrollen wurde 2024 offenkundig, als Tönnies nach dem Fund infizierter Tiere in einer Einrichtung in Mecklenburg-Vorpommern 1.000 Tonnen Fleisch vernichten musste.

Unterdessen hat die Afrikanische Schweinepest in Nordrhein-Westfalen bereits über 300 Wildschweine das Leben gekostet, wobei bestätigte Fälle bisher auf die Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein beschränkt bleiben.

Ziel des Versicherungskonzepts ist es, Landwirten bei seuchenbedingten Verlusten ein Sicherheitsnetz zu bieten. Zwar plant Tönnies, die Kosten langfristig auf die Lieferanten abzuwälzen, doch steht zunächst die Prävention von Ausbrüchen und die Sicherung der Lieferketten im Vordergrund. Mit den verschärften Einkaufsbedingungen unterstreicht das Unternehmen seine Bemühungen, infizierte Tiere von seinen Betrieben fernzuhalten.