16 March 2026, 12:29

Über 1.100 Prominente verteidigen künstlerische Freiheit nach Düsseldorf-Skandal

Eine Gruppe maskierter Personen mit Schildern, die vor einem gl├Ąserne W├Ąnde und T├╝ren habenden Geb├Ąude protestieren.

Offener Brief Warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Über 1.100 Prominente verteidigen künstlerische Freiheit nach Düsseldorf-Skandal

Über 1.100 Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Kulturfachleute haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die akademische und künstlerische Freiheit in Deutschland verteidigen. Der Vorstoß erfolgt nach monatelangen Kontroversen um eine Veranstaltung an der Kunstakademie Düsseldorf mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif. Kritiker:innen hatten ihr Antisemitismus vorgeworfen und die Absage ihres Auftritts gefordert – und damit eine breitere Debatte über politische Einmischung an Hochschulen ausgelöst.

Der Streit begann im Januar 2026, als al-Sharif zu einem Vortrag an die Düsseldorfer Kunstakademie eingeladen wurde. Ihre Beiträge in sozialen Medien führten zu Antisemitismus-Vorwürfen und Forderungen nach einer Abschaffung der Veranstaltung. Obwohl rechtlich bestätigt wurde, dass ihre Äußerungen nicht strafrechtlich relevant seien und unter die Meinungsfreiheit fielen, fand die Veranstaltung nur intern und unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt.

Bis Februar spitzten sich die Proteste zu, eine Petition forderte sogar den Rücktritt der Akademierektorin Donatella Fioretti. Die Lage eskalierte im März weiter, woraufhin der offene Brief in ihrer Unterstützung veröffentlicht wurde.

Die Unterzeichner:innen – darunter der Fotograf Wolfgang Tillmans, die Philosophin Susan Neiman und die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger – verurteilten die Instrumentalisierung des Begriffs "Mantel" der künstlerischen und akademischen Freiheit, eine Formulierung, die ursprünglich von der rechtspopulistischen AfD geprägt wurde. Sie argumentierten, dass eine solche Rhetorik grundlegende Freiheitsrechte unberechtigt unter Generalverdacht stelle. Der Brief betonte zudem, dass Artikel 5 des Grundgesetzes auch unpopuläre oder kontroverse Standpunkte schütze, und warnte, die aktuelle Eskalation könnte einen gefährlichen Präzedenzfall für politische Einflussnahme schaffen.

Fioretti soll nun am kommenden Mittwoch vor einer Sondersitzung des Kultur- und Medienausschusses des Landtages aussagen. Die Initiator:innen des Briefs haben die Abgeordneten aufgefordert, ihr Bekenntnis zu den verfassungsmäßigen Schutzrechten gegen Zensur zu erneuern.

Die Debatte zeigt die Spannungen zwischen freier Meinungsäußerung und politischem Druck in deutschen Institutionen auf. Mit über 1.100 prominenten Unterstützer:innen für Fioretti hängt der Fall nun davon ab, ob die Politik die Prinzipien der akademischen und künstlerischen Autonomie aufrechterhält. Fiorettis anstehende Aussage könnte die Diskussion darüber, wo die Grenzen zwischen Meinungsfreiheit und Verantwortung verlaufen, weiter prägen.

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