Volkstrauertag in Marl: Wie Erinnerung an Kriegsopfer Verantwortung schafft

Hans-Gerd Junk
Hans-Gerd Junk
2 Min.
Ein Denkmal in einem Park mit einem Kranz, umgeben von Gras, Pflanzen, Blumen und Bäumen, mit Gebäuden und Himmel im Hintergrund, gewidmet den Opfern des Zweiten Weltkriegs.Hans-Gerd Junk

Volkstrauertag in Marl: Wie Erinnerung an Kriegsopfer Verantwortung schafft

Am deutschen Volkstrauertag fand am Creiler Platz eine feierliche Gedenkveranstaltung statt, um der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Rund 100 Bürgerinnen und Bürger, lokale Politiker sowie Jugendgruppen versammelten sich unter dem Motto "80 Jahre nach Kriegsende – Erinnern heißt Verantwortung übernehmen". Mit Reden, Musik und einer Kranzniederlegung wurde der historischen Verantwortung gedacht.

Bürgermeister Thomas Terhorst eröffnete die Gedenkfeier und betonte, der Tag stehe für Trauer, Demut und ein entschlossenes Bekenntnis zur historischen Verantwortung. Gemeinsam mit Benedikt Stelthove legte er anschließend einen Kranz am Bonhoeffer-Denkmal vor dem Rathaus nieder – eine Ehrung für die Opfer aller Nationen.

Mitglieder der Jugendfeuerwehr Marl-Lenkerbeck berichteten von ihren Eindrücken einer jüngsten Reise nach Bayern. Dort hatten sie das Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg besucht. Jugendwart René Vadder beschrieb als prägnantestes Erlebnis den Weg, den Häftlinge einst täglich gezwungen wurden zu marschieren – eine Route, die die Gruppe selbst abschritt.

Benedikt Stelthove mahnte die Anwesenden, das Gedenken wachzuhalten, und rief zu Mut auf, Schuld einzugestehen und das Leid anderer anzuerkennen. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Saxophonistin Rebecca Hoppe, die Stücke wie "Jerusalem" und "Bleib bei uns" spielte. Ähnliche Gedenkfeiern fanden im gesamten Stadtgebiet statt, jede auf ihre Weise den Opfern von Krieg und Unterdrückung gewidmet.

Die Reflexion über den Tag reichte über Deutschland hinaus. In Polen konzentrierte sich die Erinnerungskultur nach 1945 oft auf den polnischen Widerstand, während jüdische und nicht-polnische Opfer in den Hintergrund traten. Expertinnen wie Agnieszka Pufelska plädieren für einen breiteren, gesamt-europäischen Ansatz der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg. Deutschlands eigene Erinnerungskultur entwickelte sich vom Schweigen über familiäre Täterschaft hin zur Einbindung von Opferperspektiven – etwa durch Projekte wie die Stolpersteine. In Estland unterdrückte die sowjetische Besatzung nationale Gedenktraditionen, doch Volksfeste wie die Singefeste bewahrten im Verborgenen die kulturelle Identität.

Die Veranstaltung am Creiler Platz endete mit einem erneuten Appell, sich der dunkelsten Kapitel der Geschichte zu erinnern. Kranzniederlegung, Reden und Musik machten die Last der Vergangenheit spürbar – und die Verantwortung, ihre Lehren in die Zukunft zu tragen. Vergleichbare Gedenkfeiern in der gesamten Stadt unterstrichen die Botschaft: Erinnerung muss aktiv und gemeinsam gelebt werden.

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