23 December 2025, 08:48

Von Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten

Das Innere einer Kirche mit sitzenden Männern und Frauen, Kerzen vor ihnen und weißen Wänden und Dach.

Von Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten

Von Durchstreichungen zur Gleichberechtigung – Solinger Pfarrerinnen erzählen ihre Geschichten

50 Jahre Gleichstellung in der Gemeinde – Wie Frauen auf die Kanzel stiegenSolingen – Genau die Hälfte der 26 Pfarrer:innen im Kirchenkreis Solingen sind heute Frauen. Was heute selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis eines langen kirchlichen und gesellschaftlichen Lernprozesses. Denn die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt erreichte die Evangelische Kirche erst vor 50 Jahren.

Vor fünfzig Jahren räumte die Evangelische Kirche im Rheinland Frauen und Männern gleiche Rechte im Pfarrdienst ein. Seither hat sich die Rolle der Frauen in der Kirche grundlegend gewandelt. Heute sind die Hälfte der Pfarrer:innen im Solinger Kirchenkreis Frauen – ein Meilenstein, der Jahrzehnte des Wandels widerspiegelt.

Der Umbruch begann 1975, als die rechtliche Gleichstellung von Frauen in pastoralen Ämtern offiziell verankert wurde. Davor stießen Frauen wie Gisela Vogel, heute 87 Jahre alt, allein wegen ihres Geschlechts auf Widerstand. Sie wurde zwar erste Oberkirchenrätin im Rheinland, erinnerte sich aber daran, dass der Begriff „Schwester“ für Pfarrerinnen damals kaum gebräuchlich war.

Während des Zweiten Weltkriegs übernahmen Frauen oft seelsorgerische Aufgaben, wenn Männer an der Front waren. Doch nach Kriegsende wurden viele wieder in zweite Reihen verdrängt, als die Männer zurückkehrten. Gisela Vogel erlebte diese Entwicklungen in ihrer langen Laufbahn hautnah mit. Auch Dr. Ilka Werner, die heutige Superintendentin des Solinger Kirchenkreises, begegnete immer wieder Skepsis. Sie betont, wie wichtig Vielfalt im Pfarramt sei, um die Glieder der Kirche angemessen zu vertreten. Heute sind exakt die Hälfte der 26 Pfarrer:innen in ihrem Bezirk Frauen.

Für jüngere Theolog:innen wie Raphaela Demski-Galla ist Gleichberechtigung in der Kirche längst Normalität. Sie ist damit aufgewachsen – doch sie unterstreicht, wie zentral Beziehungsarbeit im pastoralen Alltag ist, ein Schwerpunkt, den viele ihrer Generation teilen.

Der Weg der Kirche zur Gleichstellung war lang und von Rückschlägen geprägt. Von Kriegsvertretungen bis zur heutigen paritätischen Besetzung haben Frauen heute Schlüsselpositionen inne. Dass in Solingen die Hälfte der Pfarrer:innen Frauen sind, zeigt dabei sowohl Fortschritt als auch die anhaltende Notwendigkeit von Vielfalt in der Seelsorge.