27 April 2026, 06:26

Warum scheiterte der Widerstand gegen den Neoliberalismus seit den 1970ern?

Papier mit handgeschriebener Textzeile "Newtown Market Hall, die Wahl, Mr. Williams' Vorschlag für gegen Mehrheit."

Warum scheiterte der Widerstand gegen den Neoliberalismus seit den 1970ern?

Ein neuer Sammelband mit dem Titel "Krise der Kritik" untersucht, warum sich der Widerstand gegen den Neoliberalismus seit den 1970er-Jahren nur schwer durchsetzen konnte. Die Anthologie vereint Aufsätze von Historiker:innen und Sozialwissenschaftler:innen, die den globalen Aufstieg marktliberaler Politik analysieren. Statt sich allein auf den Erfolg des Neoliberalismus zu konzentrieren, fragt das Buch, warum seine Kritiker:innen oft scheiterten, seine Vorherrschaft wirksam herauszufordern.

Die Forschung gliedert sich in zwei zentrale Bereiche: die strukturellen Verschiebungen innerhalb des Kapitalismus und die intellektuellen Wurzeln neoliberalen Denkens. Sozialwissenschaftler:innen diskutieren seit Langem, wie der Neoliberalismus die Weltwirtschaft umgestaltet hat – doch seine Gegner:innen stießen immer wieder auf Hindernisse, wenn es darum ging, wirksamen Widerstand zu organisieren.

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Agnes Arndt zeigt in ihrem Beitrag, wie der Begriff der "bürgerlichen Gesellschaft" dazu diente, marktgetriebene Reformen zu rechtfertigen, ohne dabei den Kapitalismus selbst grundlegend zu hinterfragen. Roman Köster hingegen stellt infrage, ob "Neoliberalismus" überhaupt noch ein brauchbarer analytischer Begriff ist. Seiner Ansicht nach war dessen reale Wirkung ungleichmäßiger und fragmentierter, als oft angenommen wird.

Flemming Falz demonstriert, dass sozialdemokratische und linksliberale Politiker:innen neoliberale Maßnahmen häufig als Lösungen für Wirtschaftskrisen übernahmen. Thorsten Holzhauser argumentiert zudem, dass der Aufstieg der PDS und später der Linkspartei keineswegs eine Rückkehr zu einer starken antikapitalistischen Opposition markierte.

Benjamin Möckel widerspricht der Annahme, der Neoliberalismus habe eine "Krise der Kritik" ausgelöst. Stattdessen verortet er konsumorientierte Kritik bereits im Nachkriegboom und verbindet sie mit den Protesten von 1968. Diese Bewegungen, so Möckel, waren bereits von einer Form der Kapitalismuskritik geprägt, die sich auf Konsum und strukturelle Fragen konzentrierte.

Der Sammelband legt nahe, dass das Verständnis für die Hartnäckigkeit des Neoliberalismus eine genauere Betrachtung seiner Kritiker:innen erfordert – ebenso wie seiner Befürworter:innen. Indem die Beiträge sowohl die intellektuellen als auch die strukturellen Dimensionen der marktliberalen Ideologie beleuchten, wird deutlich, warum sich Widerstand oft nur schwer etablieren konnte. Die Erkenntnisse deuten auf ein weitaus komplexeres Verhältnis zwischen Kritik und kapitalistischer Transformation hin, als bisher anerkannt.

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