30 December 2025, 02:54

Wie eine umstrittene Grafik die Migrationsdebatte in Deutschland neu entfacht

Ein Plakat mit Bildern von Frauen und begleitendem Text.

Wie eine umstrittene Grafik die Migrationsdebatte in Deutschland neu entfacht

In Deutschland hat sich die Debatte über Migration und Kriminalität zuletzt zugespitzt, nachdem Polizeidaten unterschiedlich interpretiert wurden. Mitte Oktober wies Bundeskanzler Friedrich Merz auf ein "Problem" mit Migration in städtischen Gebieten hin. Gleichzeitig wird eine umstrittene Grafik – ursprünglich im August 2023 von T-Online veröffentlicht – aktuell breit geteilt. Sie deutet einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg sexueller Straftaten und nichtdeutschen Tatverdächtigen seit 2015 an.

Die Grafik basiert auf der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und zeigt einen kontinuierlichen Anstieg der Tatverdächtigen bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ab 2015. Besonders stark stiegen die Fallzahlen bei sexueller Belästigung und der Verbreitung von Kindesmissbrauchsabbildungen – vor allem zwischen 2020 und 2021. Die Daten belegen zudem, dass männliche Tatverdächtige in jedem Jahr deutlich in der Überzahl sind.

Bundesweite Berichte von 2015 bis 2022 bestätigen, dass die Mehrheit der Tatverdächtigen in diesen Deliktbereichen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Allerdings weisen offizielle BKA-Statistiken darauf hin, dass in bestimmten, viel beachteten Fällen – wie den massenhaften Sexualstraftaten 2016 – 96,5 Prozent der Tatverdächtigen nichtdeutsche Staatsangehörige waren, vor allem aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Die PKS erfasst jedoch nicht den Migrationshintergrund der Verdächtigen, sondern unterscheidet lediglich zwischen deutschen und nichtdeutschen Staatsbürgern.

Kürzlich veröffentlichte Florian Machl, Chefredakteur des österreichischen Portals Report24, die Grafik erneut – zusammen mit AfD-Politikern wie Maximilian Krah, Maximilian Kneller und lokalen Parteimitgliedern. Durch die Verbreitung der Daten entfachte sich die Diskussion über den Einfluss von Migration auf die Kriminalitätsentwicklung neu, obwohl die Statistiken keinen direkten kausalen Zusammenhang belegen.

Die Debatte hält an, da Behörden und Politiker die Daten unterschiedlich deuten. Zwar verzeichnet die PKS einen generellen Anstieg der Tatverdächtigen bei Sexualdelikten, doch die Statistiken geben keinen detaillierten Aufschluss über die Beteiligung von Migranten jenseits der Staatsangehörigkeit. Im Mittelpunkt steht nun die Frage, wie sich diese Zahlen auf die politische Entscheidungsfindung und die öffentliche Wahrnehmung in den kommenden Monaten auswirken werden.