31 December 2025, 12:43

Zwischen Rekordquoten und Skandalen: Wie das deutsche Fernsehen polarisiert

Eine Person steht auf einer Bühne mit einem Laptop auf einem Ständer, spricht zu einem Publikum, das auf Stühlen sitzt, mit einem Bildschirm im Hintergrund.

Zwischen Rekordquoten und Skandalen: Wie das deutsche Fernsehen polarisiert

Deutsche Fernsehlandschaft zwischen Triumphen und Kontroversen

In den vergangenen Wochen hat das deutsche Fernsehen eine Mischung aus Erfolgen und Skandalen erlebt. Von prestigeträchtigen Auszeichnungen bis hin zu scharfer Kritik an kultureller Darstellung sahen sich die Sender sowohl mit Lob als auch mit Gegenwind konfrontiert. Gleichzeitig sorgten Reality-Formate, Historienfilme und Sportereignisse für begeisterte – oder gespaltene – Zuschauerreaktionen.

Bei ProSieben gewann Schauspielerin Alessia Herren die Reality-Show Deutschlands dümmster Promi, während Gloria-Sophie Burkandt den zweiten Platz belegte. Der Sender musste sich zudem Vorwürfe wegen einer Oktoberfest-Veranstaltung im Münchner Hofbräuhaus gefallen lassen, die von Heidi Klum moderiert wurde. Die Übertragung wurde als kulturelle Aneignung kritisiert und trübte die festliche Stimmung.

Ebenfalls bei ProSieben floppte die tägliche Seifenoper Kochakademie nach nur wenigen Wochen wegen katastrophaler Quoten. Auch die langjährige Castingshow Das Supertalent endete mit einem Tief: Lediglich 1,38 Millionen Zuschauer verfolgten die letzte Folge. Die öffentlich-rechtlichen Sender standen ebenfalls im Fokus. ZDFs Oktoberfest 1905 zog zwar ein großes Publikum an, wurde aber für historische Ungenauigkeiten scharf kritisiert. ARDs Mozart/Mozart, ein Drama über Anna Maria Mozart, fiel durch schwache schauspielerische Leistungen, holprige Dialoge und Musik durch, die wenig mit dem Werk des Komponisten gemein hatte. Der Sender zeigte zudem Reinhard Hauffs Film Stammheim von 1986, der wegen seiner umstrittenen Darstellung des RAF-Prozesses mit Figuren wie Andreas Baader und Ulrike Meinhof von anderen Sendern abgelehnt worden war. Deutlich zurückhaltender präsentierte sich ARDs Mord auf dem Inka-Trail mit Nina Gummich, basierend auf der wahren Geschichte von Ursula Glück. Daneben ehrte der Sender legendäre Sportler in Dokumentarporträts, darunter die polarisierende Figur Jérôme Boateng. ZDF verfilmte Oskar Maria Grafs Roman Unruhe um einen Friedfertigen als zweiteiligen Film Sturm am Horizont, der den Aufstieg des Faschismus in einem bayerischen Dorf thematisiert – eine Produktion, die mitten in die aktuelle Debatte um historische Darstellungen im Fernsehen fiel.

Im Sport sorgte die deutsche Frauenfußballnationalmannschaft für Rekordquoten: Im Schnitt verfolgten zehn Millionen Zuschauer jedes Spiel der EM 2024, das Viertelfinale gegen Frankreich entwickelte sich zum Fernsehereignis. Derweil sah sich der Eurovision Song Contest mit Boykottdrohungen wegen Israels Teilnahme konfrontiert, fand aber wie geplant statt. Deutschlands Beitrag, das österreichische Duo Abor & Tynna, belegte nach einem von NDR und Stefan Raab geleiteten Auswahlverfahren Platz 15. Hinter den Kulissen sorgte die ehemalige RBB-Programmdirektorin Claudia Nothelle für Schlagzeilen: Nach ihrem vorzeitigen Ruhestand sicherte sie sich eine lebenslange Monatsrente von 8.400 Euro – zusätzlich zu ihrem bestehenden Gehalt von 7.000 Euro als Professorin. Journalistische Standards gerieten ins Wanken, als NDR die Zusammenarbeit mit Julia Ruhs nach ihrer umstrittenen Klar-Premiere zum Thema Migration beendete; sie bleibt jedoch beim BR. Trotz durchwachsener Quoten gewann Ein verdammt gutes Quiz (mit richtig viel Geld) den Deutschen Fernsehpreis – ein Beweis dafür, dass kritischer Zuspruch und Zuschauerzahlen nicht immer Hand in Hand gehen.

Die vergangenen Monate zeigten die Höhen und Tiefen des deutschen Fernsehens: von rekordverdächtigen Sportübertragungen bis hin zu hitzigen Diskussionen über kulturelle Sensibilität. Während einige Formate triumphierten, kämpften andere um Aufmerksamkeit – oder scheiterten noch vor dem Start. Die Sender stehen nun vor der Herausforderung, Unterhaltung mit den wachsenden Ansprüchen an Genauigkeit und Verantwortung in Einklang zu bringen.