19 December 2025, 16:13

"After Beuys" - Eine Hommage

Ein Buch mit einer Cartoons-Gemälde auf dem Cover.

"After Beuys" - Eine Hommage

"Nach Beuys" – Eine Hommage

Der Werkstatt-Zyklus „After Beuys“ in der Galerie Eigen+Art wurde als ein „Gegenentwurf“ zum Versuch verstanden, Beuys vom „Ballast des erweiterten Kunstbegriffs“ zu befreien.

6. September 2012

Unterhaltung, Popkultur

1988 wurde in der DDR – trotz jahrelanger offizieller Ablehnung – eine große Ausstellung mit frühen Werken von Joseph Beuys eröffnet. Die unter dem Titel „Beuys vor Beuys“ gezeigte Schau präsentierte 216 Exponate aus der Sammlung van der Grinten, die zwischen 1946 und 1966 entstanden waren. Jahrzehntelang war der Künstler in der sozialistischen Kulturpolitik der DDR als „unerwünschte Person“ eingestuft worden.

Die Pläne für die Ausstellung nahmen nach Beuys’ Tod 1986 Gestalt an, als selbst DDR-Kulturfunktionäre seine wachsende Bedeutung erkannten. Es gab Verhandlungen, um die Sammlung in die DDR zu holen, doch wer diese Gespräche genau führte, bleibt unklar.

Die Schau war von Mitte Januar bis Mitte Mai 1988 zu sehen – zunächst in der Akademie der Künste in Berlin, später in Leipzig. Manfred Wekwerth, der damalige Präsident der Akademie, hatte zuvor in einem Schreiben an das ZK der SED Beuys’ künstlerischen Wert betont. Dennoch vermied die Ausstellung sorgfältig jeden Hinweis auf sein politisches Engagement oder seine demokratischen Überzeugungen. Jahrelang war Beuys von DDR-Institutionen ausgeschlossen worden, da sein Ruf als gesellschaftskritischer Künstler mit der Staatsideologie kollidierte. Erst nach seinem Tod begannen Funktionäre, sein Erbe neu zu bewerten.

Die Ausstellung „Beuys vor Beuys“ stellte einen seltenen Moment der Auseinandersetzung mit einem einst in der DDR geächteten Künstler dar. Vier Monate lang in zwei Städten gezeigt, bot sie dem ostdeutschen Publikum einen begrenzten, aber beispiellosen Einblick in sein frühes Schaffen. Die vorsichtige Rahmung der Schau spiegelte die anhaltende Skepsis des Staates gegenüber Beuys’ weiterreichendem Einfluss wider.