01 February 2026, 20:31

Berliner Performance entlarvt den Mythos der "Krisendarsteller" mit brutaler Ehrlichkeit

Eine Frau in einem pinken Kleid mit zurückgekämmtem Haar, die direkt in die Kamera schaut, auf dem Cover einer Zeitschrift mit der Aufschrift "Le Theatre".

Berliner Performance entlarvt den Mythos der "Krisendarsteller" mit brutaler Ehrlichkeit

Eine mutige neue Performance in Berlin stellt sich rechtsextremen Verschwörungstheorien entgegnet – direkt und ungeschminkt."Wir Krisendarsteller: Doppelgänger in Wut!" hinterfragt den gefährlichen Mythos der "Krisendarsteller" – die falsche Behauptung, Überlebende von Tragödien seien bezahlte Schauspieler, die Ereignisse nur vortäuschen. Die Show verbindet Humor, Chaos und rohe Emotionen, um einer Verschwörungstheorie zu begegnen, die sich seit 2018 rasant verbreitet hat.

Der Begriff der "Krisendarsteller" gewann nach dem Massaker an der Marjory Stoneman Douglas High School 2018 in Parkland, Florida, an Fahrt. Verschwörungsideologen wie Alex Jones von Infowars behaupteten damals, die Überlebenden seien engagierte Schauspieler, die eine Agenda für strengere Waffengesetze vorantreiben sollten. Diese haltlosen Theorien verbreiteten sich rasend schnell auf Plattformen wie Facebook, Twitter (heute X) und YouTube – befeuert von QAnon-Netzwerken und rechtsextremen Gruppen. Bis 2025 wurde der Mythos von Verbündeten Trumps, MAGA-Anhängern und extremistischen Bewegungen weiter geschürt und tauchte etwa in Debatten über die Massaker in Uvalde und Buffalo wieder auf.

Die Performance, entwickelt vom Künstlerkollektiv andcompany&Co., scheut auch provokante Fragen nicht. Regisseur Alexander Karschnia scherzt sogar, ob Neil Armstrongs Mondlandung wirklich stattfand. Doch im Verlauf der Show ändert sich der Ton – die absurde Fassade bröckelt, und die ernste Absicht tritt zutage. Das Publikum erlebt, wie die Inszenierung reale Krisen spiegelt: nukleare Bedrohungen, den Klimakollaps, systemische Versagenslagen. Der Höhepunkt gipfelt in einem packenden Finale.

Fünfzig Berliner Künstler:innen betreten die Bühne für eine beklemmende Interpretation von Freddie Mercurys "The Show Must Go On". Die emotionale Wucht des Moments beschert stehende Ovationen. Karschnia reflektiert später über die Notwendigkeit, rechtsextreme Rhetorik ernst zu nehmen – und fordert eine professionelle "Probe" von Krisen, um Desinformation zu begegnen.

Die Show hinterlässt Spuren, indem sie die Absurdität – und die Gefahr – von Verschwörungstheorien entlarvt. Sie zwingt das Publikum, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie leicht sich falsche Narrative in Krisenzeiten verbreiten. Angesichts der weiterhin kursierenden rechtsextremen Behauptungen im Netz dient die Performance gleichermaßen als Warnung und als Appell, das, was wir für wahr halten, kritisch zu hinterfragen.