Coca-Cola-Chef warnt: Bürokratie und hohe Kosten gefährden Deutschlands Standortattraktivität
Martina SieringCoca-Cola-Chef warnt: Bürokratie und hohe Kosten gefährden Deutschlands Standortattraktivität
John Galvin, der Deutschland-Chef von Coca-Cola Europacific Partners (CCEP), hat die hiesigen Wirtschaftsbedingungen scharf kritisiert. Übermäßige Bürokratie, hohe Kosten und zähe Genehmigungsverfahren bezeichnete er als zentrale Hindernisse für Unternehmen. Trotz dieser Herausforderungen bekräftigte CCEP, die Produktion vorerst in Deutschland zu belassen.
Galvin illustrierte die Probleme am Beispiel scheinbar simpler Vorhaben: Selbst das Versetzen eines Zauns oder die Reparatur eines Daches arteten oft in monatelange Prozesse aus. Zuständigkeiten mehrerer Behörden und widersprüchliche Vorschriften verzögerten Arbeiten, die eigentlich in Tagen oder Wochen erledigt sein müssten. Im internationalen Vergleich mache Deutschlands kompliziertes Regelwerk Investitionen deutlich langsamer und unattraktiver, so Galvin.
Hinzu kämen hohe Strompreise, Lohnkosten und steigende Krankheitsquoten, die die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich belasteten, erklärte der Manager. Zwar begrüßte er Bundeskanzler Friedrich Merz’ Ankündigung, Bürokratie abzubauen – doch nun komme es auf konkrete Taten an. Die Bundesregierung hat bereits mehrere Maßnahmen zur Stärkung der Standortattraktivität auf den Weg gebracht.
Ab 2026 profitieren Unternehmen von gesenkten Stromsteuern, einer dauerhaften Diesel-Rückerstattung für die Landwirtschaft und einem 6,5-Milliarden-Zuschuss für Netzentgelte. Die Körperschaftsteuer sinkt schrittweise von 15 auf 10 Prozent bis 2032, was die Gesamtbelastung auf rund 25 Prozent drückt. Die Forschungsförderung wird ausgeweitet und mit weniger Bürokratie verbunden, zudem können Firmen ab dem 1. Juli 2025 angeschaffte Maschinen sofort abschreiben. Wirtschaftsminister Karsten Wildberger treibt zudem die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und die Reduzierung von Papierkram voran.
Doch die Kritik bleibt: Peter Leibinger, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), warnte vor einer "Erosion der industriellen Basis" und einem "freien Fall" der deutschen Wirtschaft – die tiefste Krise seit Gründung der Bundesrepublik. CCEP, das mit 6.100 Beschäftigten an 24 Standorten jährlich 4,1 Milliarden Liter Getränke abfüllt, plant zwar keine Verlagerung der Produktion ins Ausland. Galvin betonte jedoch: Ohne zügige Reformen drohe Deutschland, für Unternehmen an Attraktivität zu verlieren.
Die Regierung hat mit Steuersenkungen, Subventionen und vereinfachten Abläufen bereits Gegenmaßnahmen eingeleitet. Doch die Wirtschaft fordert grundlegendere Veränderungen, um den Abwärtstrend zu stoppen. Große Konzerne wie CCEP halten Deutschland zwar noch die Treue – doch ihre Geduld ist begrenzt, wenn sich nicht bald spürbare Fortschritte einstellen.