Die älteste spielbare Orgel der Welt steht in Östönnen – ein Klang aus dem Mittelalter
Martina SieringDie älteste spielbare Orgel der Welt steht in Östönnen – ein Klang aus dem Mittelalter
Die St.-Andreas-Kirche in Östönnen bei Soest beherbergt die älteste spielbare Orgel der Welt. Das Instrument blickt auf eine über sechs Jahrhundert alte Geschichte zurück, wobei Teile der ursprünglichen Konstruktion bis heute erhalten sind. Ihr Überdauerung verdankt es vor allem dem Umstand, dass über die Jahre schlicht die Mittel für eine Modernisierung fehlten.
Die Orgel gelangte 1722 von einer Nachbargemeinde in Soest in den Besitz der Kirche. Doch ihre Wurzeln reichen weitaus weiter zurück: Holzkomponenten – darunter die Windlade – stammen aus dem Jahr 1410. Von den 578 Bleipfeifen wurden mehr als die Hälfte um 1500 gefertigt und bewahren so den Klang des späten Mittelalters.
Das Instrument besticht durch filigrane florale Schnitzereien und hölzerne Ranken, was ihm den Beinamen einer „orgelhistorischen Kostbarkeit“ einbrachte. Der Organist Leon Berben beschreibt ihren Klang als intensiv und umhüllend – eine seltene akustische Brücke in die Vergangenheit. Er rät davon ab, die Orgel zu verändern, und betont, dass ihr Fortbestand gerade darin liege, sie unangetastet zu lassen. Die Gemeinde von St. Andreas ist sich der Einzigartigkeit des Instruments bewusst und stolz auf seine historische Bedeutung. Im Gegensatz zu vielen anderen alten Instrumenten hat diese Orgel gerade deshalb überdauert, weil sie nie erneuert oder ersetzt wurde.
Die Orgel bleibt ein funktionierendes Zeugnis mittelalterlichen Handwerks und bietet eine direkte Verbindung zu musikalischen Traditionen vor über 600 Jahren. Ihr Erhalt hängt nicht von Restaurierung ab, sondern von behutsamer Konservierung. Vorerst steht sie als musikalisches und historisches Juwel in Östönnen.