Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Auflage bricht um 70 Prozent ein
Hans-Gerd JunkDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Auflage bricht um 70 Prozent ein
Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin – verkauft von obdachlosen Händlern – verzeichnet einen drastischen Rückgang der Auflage. Noch vor einigen Jahren druckte die Zeitschrift 40.000 Exemplare pro Monat, heute sind es weniger als 12.000. Der Einbruch fällt mit einer Preiserhöhung auf 3,40 Euro zusammen, die nötig wurde, um die steigenden Kosten zu decken.
Gegründet von Hubert Ostendorf, dient das Magazin Obdachlosen sowohl als Einnahmequelle als auch als Plattform für gesellschaftliches Engagement. Es kämpft gegen Diskriminierung und gibt den Verkäuferinnen und Verkäufern ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Der Auflagenrückgang spiegelt eine größere Krise der Printmedien wider. Seit den frühen 2000er-Jahren haben mindestens zehn andere deutsche Straßenzeitungen mehr als die Hälfte ihrer Leserschaft verloren. Digitale Konkurrenz, der Rückgang von Bargeldzahlungen und die Verbreitung von Online-Medien haben dazu beigetragen.
Für "fiftyfifty" sind die Herausforderungen jedoch noch tiefergehend. Vor allem Verkäufer mit Migrationshintergrund berichten von wachsender Feindseligkeit und Rassismus. Viele sind auf das Magazin nicht nur als Einnahmequelle angewiesen, sondern auch als Quelle für Würde und Struktur im Alltag.
Finanziert wird das Projekt durch Verkäufe, Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie, in der Werke von Künstlern wie Thomas Ruff, Gerhard Richter und Imi Knoebel gezeigt werden. Mit diesen Mitteln werden Straßenhilfe, tierärztliche Versorgung für herrenlose Hunde und Wohnprojekte unterstützt. Ohne sie wären diese Angebote kaum aufrechtzuerhalten.
Das Magazin erscheint sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form. Die Variante "fiftyfifty-ObdachLOS" funktioniert wie eine Loskarte: Die Verkäufer behalten die Hälfte des Verkaufspreises. Dieses Modell sichert nicht nur die Sichtbarkeit des Projekts, sondern bietet den Händlern direkte finanzielle Unterstützung.
Die Zukunft von "fiftyfifty" hängt davon ab, wie gut es gelingt, sich an steigende Kosten und veränderte öffentliche Einstellungen anzupassen. Sein Fortbestand betrifft nicht nur die Verkäufer, sondern auch die sozialen Projekte, die es finanziert. Bis dahin bleibt das Magazin eine Lebensader für Düsseldorfs Obdachlosen-Community – als Einnahmequelle und als Stimme.