Elektronische Patientenakte: Pflicht, aber noch voller Probleme und Misstrauen
Klaus-Michael JopichElektronische Patientenakte: Pflicht, aber noch voller Probleme und Misstrauen
Elektronische Patientenakte (ePA) in Deutschland nun Pflicht – doch der Erfolg bleibt ungewiss
Seit Januar 2024 ist die elektronische Patientenakte (ePA) für alle gesetzlich Versicherten in Deutschland verpflichtend. Ein Jahr nach dem Start steht zwar die technische Infrastruktur, doch ob das System langfristig erfolgreich sein wird, ist fraglich. Kritiker verweisen auf anhaltende Probleme bei Sicherheit, Transparenz und mangelnder Aufklärung der Patienten als zentrale Hindernisse.
Die schrittweise Einführung der ePA begann im Januar 2025 in drei Modellregionen: Hamburg und Umgebung, Franken sowie Teilen von Nordrhein-Westfalen. Ursprünglich als "ePA für alle" beworben, weckte der Start die Erwartung einer sofortigen bundesweiten Verfügbarkeit – eine Annahme, die sich als unrealistisch erwies.
Seitdem kämpft das System mit wiederkehrenden Schwierigkeiten. Sicherheitslücken, Softwareausfälle und unfertige Module beeinträchtigten den Betrieb. Offizielle Stellen hatten behauptet, es bestehe "kein Restrisiko" für schwere Cyberangriffe – eine Aussage, die Experten für jedes technische System als unmöglich zurückweisen. Zudem erhielten Patienten kaum verständliche Informationen über Funktionen und Grenzen der ePA. Viele wussten nicht einmal von Änderungen bei den Zugriffsrechten, etwa dem Wegfall eines wichtigen Datenschutzfeatures in Version 3.0. Bisher konnten Nutzer bestimmte Dokumente nur für ausgewählte Ärzte oder Fachrichtungen freigeben – diese Option gibt es nicht mehr. Die mangelnde Transparenz ist damit zu einem zentralen Streitpunkt geworden. Wer die Schwächen des Systems herunterspielt oder ignoriert, riskiert den Eindruck, dass Probleme vertuscht werden. Fachleute warnen: Ohne ehrliche Kommunikation könnte das Vertrauen in die ePA weiter schwinden.
Die Zukunft der elektronischen Patientenakte hängt davon ab, ob es gelingt, die technischen Mängel zu beheben und die Transparenz zu erhöhen. Patienten brauchen klare, verständliche Informationen darüber, was das System leisten kann – und was nicht. Ohne diese Veränderungen dürfte eine breite Akzeptanz der verpflichtenden digitalen Akte kaum zu erreichen sein.