15 March 2026, 06:23

EU-Saatgutgesetz bedroht seltene Sorten und kleine Erzeuger in NRW

Ein Buch mit dem Titel "Maule's Seed Book: The Guide to Successful Gardening Vegetables, Flowers, and Farm Crops 1935" mit Bildern verschiedener Gemüse und Text auf dem Cover.

EU-Saatgutgesetz bedroht seltene Sorten und kleine Erzeuger in NRW

Ein geplanter EU-Gesetzentwurf könnte den Handel mit traditionellem Saatgut erschweren und seltene Pflanzensorten gefährden. Kleine Erzeuger in Städten wie Düsseldorf befürchten, dass die neuen Vorschriften ihre Existenz bedrohen und die biologische Vielfalt verringern könnten. Unterdessen arbeiten lokale Saatgutbibliotheken daran, diese alten Sorten zu bewahren, indem sie der Öffentlichkeit kostenlosen Zugang bieten.

Die Verhandlungen über die neue Saatgutverordnung begannen im Februar 2026 und umfassen die Europäische Kommission, das Parlament sowie den Rat der Mitgliedstaaten. Der vorgeschlagene Gesetzestext sieht strenge Zertifizierungsregeln und hohe Gebühren für Erzeuger vor, die traditionelle Sorten verkaufen.

Das Europäische Parlament setzt sich für Ausnahmen ein, um Kleinstproduzenten zu unterstützen. Der Rat der Agrarminister hingegen befürwortet einen strengeren Ansatz mit scharfen Kontrollen. Michael Bonke, Organisator des jährlichen Düsseldorfer Saatgutfests, warnte, dass die neuen Gebühren viele kleine Betriebe in den Ruin treiben könnten.

Als Reaktion darauf haben Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss ihre kostenlosen Verleihprogramme ausgeweitet. Claudia Neufurth von der Stadtbibliothek Neuss verzeichnete eine große Nachfrage nach bestimmten alten Sorten. Die Selbstversorgerin Anne Mommertz äußerte die Sorge, dass Hobbygärtner bald nur noch auf standardisiertes Saatgut großer Industrieanbieter zurückgreifen könnten.

Falls die Verordnung in ihrer aktuellen Form verabschiedet wird, drohen kleinen Erzeugern finanzielle Belastungen, und viele seltene Sorten könnten verschwinden. Saatgutbibliotheken und lokale Gärtner unternehmen nun Schritte, um die Artenvielfalt zu bewahren, bevor das Gesetz in Kraft tritt. Die endgültige Entscheidung liegt in den kommenden Monaten bei den EU-Verhandlungsführern.

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